Anja Lang
Ein Beitrag von Anja Lang, 04.05.2016

Zuzahlungen Holen Sie sich Geld von der Krankenkasse zurück

Zuzahlungen für Arzneimittel, Einlagen und Co., die über Ihrer persönlichen Belastungsgrenze liegen, können Sie sich erstatten lassen - sogar vier Jahre rückwirkend.
Zuzahlungen Holen Sie sich Geld von der Krankenkasse zurück

Die Krankenkassen dürfen nicht unbegrenzt Zuzahlungen für Medikamente und Co. verlangen

Sie sind Kassenpatient? Dann müssen Sie sicherlich auch häufig Zuzahlungen leisten. Sei es die Rezeptgebühr für Medikamente, der Eigenanteil für Krankengymnastik, Massagen, orthopädische Einlagen oder auch die Zuzahlung in Krankenhaus oder Reha. Bereits seit 2004 bittet der Gesetzgeber gesetzlich Versicherte hier zur Kasse. Zahlen müssen allerdings nur Erwachsene. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind  - außer bei Fahrkosten und bei Zahnersatz  - komplett von Zuzahlungen befreit.

Wie viel Zuzahlung können Sie verkraften?

Trotzdem ist eine Zuzahlung nicht selten eine starke Belastung für die Familienkasse: So schlagen zum Beispiel drei Wochen Mutter-Kind-Kur bereits mit 220 Euro zu Buche. Kommen dann noch weitere Zuzahlungskosten, etwa für Medikamente, für Krankengymnastik oder Massage hinzu, wird das für manche Familien zur Belastung.

Übersicht Eigenanteil 2016 
 Leistung Zuzahlung
Verschreibungspflichtige Arznei- und Verbandsmittel 10 % des Preises*
Fahrkosten pro Fahrt 10 % des Preises*
Häusliche Krankenpflege 10 % der Kosten zuzüglich 10 Euro je Verordnung (begrenzt auf 28 Tage pro Kalenderjahr)
Haushaltshilfe 10 % der kalendertäglichen Kosten* (entfällt bei Schwangerschaft oder Entbindung)
Heilmittel 10 % der Kosten des Mittels zuzüglich 10 Euro je Verordnung
Hilfsmittel 10 % für jedes Mittel*, Ausnahme: Hilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind: 10 % je Verbrauchseinheit, maximal 10 Euro pro Monat
Krankenhausbehandlung 10 Euro pro Kalendertag (maximal 28 Tage pro Kalenderjahr); Tage werden ggf. mit Reha zusammengezählt
Stationäre Vorsorge 10 Euro pro Tag
Medizinische Rehabilitation (ambulant und stationär) 10 Euro pro Tag; bei Anschlussrehabilitation begrenzt auf 28 Tage pro Kalenderjahr
Medizinische Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und Väter 10 Euro pro Tag
 Soziotherapie 10 % der kalendertäglichen Kosten*
* jedoch mindestens 5 Euro, höchstens 10 Euro
Quelle: GKV-Spitzenverband; Bundesgesundheitsministerium, Stand: 05.02.2016

Krankenkasse: Ihre Zuzahlung ist begrenzt

Der Gesetzgeber hat deshalb eine sogenannte Belastungsgrenze festgesetzt, bis zu der Zuzahlungen als zumutbar gelten: Gesetzlich Versicherte müssen nicht mehr als zwei Prozent ihres Bruttojahreseinkommens für Zuzahlungen ausgeben. Zugrundegelegt werden hier immer Bruttoeinnahmen der Familie sowie die Zuzahlungen aller Familienmitglieder. Bei chronisch Kranken liegt die Zumutbarkeitsgrenze sogar bei nur einem Prozent. Alle Zuzahlungen, die darüber hinaus gehen, dürfen Sie sich von Ihrer Krankenkasse wieder zurück holen. Dabei gelten Freibeträge für Partner und Kinder. Berücksichtigt werden außerdem auch Unterhaltsverpflichtungen. Bei Mitgliedern der Krankenversicherung der Landwirte werden sogar noch weitere im Haushalt lebende Angehörige mit Freibeträgen berücksichtigt.
Jährliche Freibeträge bei der Zuzahlung
5.229 Euro
für den ersten Angehörigen (Ehegatte oder Partner bei eingetragenen Lebensgemeinschaften)
3.486 Euro für jeden weiteren im Haushalt lebenden Angehörigen (gilt nur für Krankenversicherung der Landwirte)
7.249 Euro für jedes zu berücksichtigende gemeinsame Kind bzw. Kind eines Alleinerziehenden
Quelle: betanet, Stand: 04.02.2016
Rechenbeispiel für Zuzahlungsgrenze: Eine vierköpfige Familie hat ein Familien-Bruttojahreseinkommen von 30.000 Euro. Zur Berechnung der Zuzahlungsgrenze darf diese Familie davon einen Freibetrag von 5.229 Euro für den ersten Haushaltsangehörigen, in dem Fall der Ehepartner, abziehen. Für die zwei Kinder darf sie  jeweils nochmal einen Freibetrag von je 7.249 Euro geltend machen. Zur Berechnung der Zuzahlungsgrenze bleiben damit noch 10.273 Euro. Pro Jahr muss diese Familie also noch Zuzahlungen bis zu einer Höhe von 202,50 Euro leisten. Alles was darüber hinaus geht, kann sie sich von ihrer Krankenkasse wieder erstatten lassen. So ist für diese Familie z. B. mit der Zuzahlung von 220 Euro für eine Mutter-Kind-Kur die persönliche Belastungsgrenze bereits überschritten. Die 14,50 Euro oberhalb der Belastungsgrenze sowie alle weiteren Zuzahlungen könnte sich diese Familie also erstatten lassen. Sind Vater oder Mutter nachweislich chronisch krank, liegt die Zuzahlungsgrenze sogar nur noch bei einem Prozent. Die Belastungsgrenze wäre dann bei der Beispielfamilie bereits bei 103 Euro pro Jahr erreicht.

Krankenkasse: Zuzahlung - was gilt bei Hartz IV und ALGII?

Sie sind gesetzlich krankenversichert und beziehen Hartz IV oder ALG II? Dann wird die Belastungsgrenze etwas anders berechnet. Als Jahres-Bruttoeinkommen für die gesamte Bedarfsgemeinschaft wird hier der sogenannte Eckregelsatz der Sozialhilfe eines Erwachsenen zugrundegelegt. Das sind derzeit 4.848 Euro. Die Freibeträge entfallen. Die Belastungsgrenze liegt auch hier bei zwei Prozent und damit allgemein bei 96,96 pro Jahr. Bei chronisch Kranken wird sie auch auf 46,46 Euro halbiert. 

Verschenken Sie kein Geld durch Zuzahlungen

Leider weist die Krankenkasse nicht extra darauf hin, wenn Ihre persönliche Belastungsgrenze erreicht ist. So kann es sein, dass Sie Zuzahlungen leisten und geleistet haben, die sie eigentlich gar nicht mehr hätten bezahlen müssen. Wer hier kein Geld verschenken möchte, der muss selbst aktiv werden.

Mein Tipp: Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, sollten Sie jährlich ihre persönliche Belastungsgrenze ausrechnen und vor allem sämtliche Belege über Zuzahlungen aufheben. Haben Sie Ihre persönliche Belastungsgrenze erreicht, können Sie bei ihrer Krankenkasse eine Zuzahlungsbefreiung für den Rest des Jahres beantragen. Stellen Sie dabei fest, dass Sie auch schon in den letzten Jahren zu viel Zuzahlung geleistet haben, können Sie die Befreiung auch noch nachträglich beantragen – bis zu vier Jahre rückwirkend. Die zu viel bezahlten Zuzahlungen werden von der Krankenkasse dann zurück auf Ihr Konto überwiesen. 
Krankenkasse
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Leserkommentare

 

10.08.2016 16:57 Uhr
Andy: Berücksichtigung von Unterhaltsverpflichtung
Hallo! Wo kann mann nachlesen, ob Unterhaltsverpflichtungen mit angerechnet werden? Konnte bis auf Ihre Aussage nichts dergleichen im Netz finden. mfg


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