Von Brigitte Watermann, 18.04.2016

Steuererklärung Die Anlage N – Arbeitnehmer sparen Steuern mit Werbungskosten

Die Steuererklärung zählt nicht zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen? Mit unseren Tipps werden Sie ruckzuck fertig. Serie Teil 5: Werbungskosten:
Steuererklärung

Sind Sie Koch und mussten Ihre Berufskleidung selbst bezahlen? Dann sind das Werbungskosten

Stehen Sie als Arbeitnehmer in Lohn und Brot, sollten Sie die Anlage N mit Liebe ausfüllen. Mit den Werbungskosten können Sie einiges vom Fiskus zurückholen. Doch bevor Sie richtig loslegen, sollten Sie kurz innehalten: Bringen Sie Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro zusammen? Denn nur dann lohnt sich der Aufwand.

Schließlich bekommt jeder aktive Arbeitnehmer automatisch einen Pauschbetrag in dieser Höhe ohne weiteren Nachweis. Sind Sie Pensionär oder Betriebsrentner, gibt es für Sie den abgespeckten Pauschbetrag von 102 Euro, wenn Sie keine höheren Kosten nachweisen. Falls Sie die Grenze nehmen, geben Sie ihre Werbungskosten auf den Seiten 2 und 3 an.

Unser Tipp: Mit der Pendlerpauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer (Zeilen 31-39) schaffen Sie bereits bei 220 Arbeitstagen und einem Arbeitsweg von 16 Kilo-metern leicht den Sprung über den Pauschbetrag.

Übrigens dürfen Sie sogar als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft in Ihrer Steuererklärung die Pendlerpauschale ansetzen. Alle Mitfahrer haben diese Möglichkeit.

Spendiert Ihr Arbeitgeber Ihnen einen Firmenwagen, den Sie auch für private Zwecke nutzen dürfen und versteuern Sie ihn nach der Ein-Prozent-Regel, lassen sich laut Finanzgericht Düsseldorf (Urteil vom 4.12.2014, Az. 12 K 1073/14 E) sämtliche selbst getragene Benzinkosten in voller Höhe als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

Revision in der Frage ist beim Bundesfinanzhof anhängig (Az. VI R 2/15). Wenn Sie keine Tankquittungen aufbewahrt haben, dürfen Sie die Benzinkosten sogar schätzen.
Mitgliedsbeiträge für Gewerkschaften und Berufsverbände dürfen Sie in voller Höhe gegen Nachweis geltend machen (Zeile 40).

Ausgaben für Arbeitsmittel (Werkzeuge, Computer, Büromaterial, Fachbücher, Büromöbel, Berufskleidung) sind bis zu Anschaffungskosten von 410 Euro netto sofort absetzbar. Waren sie teurer, müssen Sie die Kosten über die Nutzungsdauer abschreiben – bei Laptops sieht der Fiskus drei Jahre vor.

Unser Tipp
: Für Arbeitsmittel gibt es eine interne "Nichtbeanstandungsgrenze" von 110 Euro. Bei Kosten bis zu dieser Höhe (Zeilen 41/42) kontrolliert kein Finanzbeamter im Detail.

Doppelter Haushalt: Wer am Arbeitsort auch eine Bleibe hat, darf Mietaufwendungen bis maximal 1.000 Euro monatlich, Verpflegungspauschalen in den ersten drei Monaten sowie 0,30 Euro je Entfernungskilometer für Familienheimfahrten am Wochenende geltend machen. Selbst die Abschiedsfeier bei einem Arbeitgeberwechsel dürfen Sie in voller Höhe als Werbungskosten absetzen (Urteil des Finanzgerichts Münster vom 29.5.2015 (Az. 4 K 3236/12 E).

Wichtig: Der Gästekreis bestand aus Kollegen und Geschäftspartnern. Hatte man nur einige Kollegen im Gästekreis, dürfen sie anteilige Werbungskosten geltend machen (Urteil des BFH vom 8. Juli 2015 (Az. VI R 46/14).

Tabelle:  Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen 
 
Gesamtbetrag der
Einkünfte
Bis
15.340 Euro
Bis
51.130 Euro
Über
51.130 Euro
Ledige ohne Kinder
5 %
6 %
7 %
Verheiratete ohne Kinder
4 %
5 %
6 %
Mit 1 oder 2 Kindern
2 %
3 %
4 %
Mit 3 oder mehr Kindern
1 %
1 %
2 %
Quelle: Einkommensteuergesetz

Bei Pflege und Behinderung gewährt das Finanzamt gewisse Pauschbeträge

So gibt es für behinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindes-tens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 61-64). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1.420 Euro bei einem GdB von 100 Pro-zent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde bekommen sogar einen Freibetrag von 3.700 Euro eingeräumt. Als Nachweis verlangen die Prüfer vom Amt bei einem GdB von mindestens 50 Prozent eine Ablichtung des Schwerbehindertenausweises vom Versorgungsamt. Wenn Sie einen Angehörigen bei sich oder in dessen Woh-nung pflegen, erhalten Sie einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 65/66). Voraussetzung: Der Gepflegte hat die Pflegestufe II oder ein "H" im Schwerbehinder-tenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos – er darf allerdings nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst wird der Pflegepauschbetrag gestrichen.

Ihre Haushaltshilfe und der Handwerker ist steuerwirksam

Auch haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen dürfen Sie zur Steuerminderung einsetzen.

Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, zum Beispiel für die Putzfrau, die Pflegerin oder den Gärtner geben Sie in den Zeilen 69 – 73 des Mantelbogens der Steuererklärung an. Aufgepasst bei Handwerkerrechnungen (Zeile 73): Sie dürfen die reinen Arbeitskosten, aber auch Maschinen- und Fahrtkosten sowie die Umsatzsteuer geltend machen. Materialkosten gehen dagegen nicht durch.

Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Reparaturkosten von Haushaltsgeräten wie Waschmaschine & Co. mit 20 Prozent der Rechnungssumme, aber nur bis zur Grenze von 1.200 Euro. Wichtig: Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden, Überweisung ist ein Muss.

Unser Tipp: Selbst als Mieter dürfen Sie Teile ihrer Nebenkostenabrechnung absetzen – nämlich die Kosten, die auf Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schneeräumdienst, Gartenpflege oder Schornsteinfeger entfallen. Auch für private Umzugskosten gibt es einen Steuerbonus.
Steuervorteile für haushaltsnahe Dienstleistungen im Überblick
Die Steuerboni für alle drei Arten von haushaltsnahen Dienstleistungen können bis zu einem Maximalrabatt von 5 710 € kombiniert werden
Haushaltsnahe Dienstleistungen
Begünstigt
Rechnungen bis 20 000 €
Steuerbonus
20 Prozent der Kosten, maximal 4 000 €
Minijobs
Begünstigt
Rechnungen bis 2 550 €
Steuerbonus
20 Prozent der Kosten, maximal 510 €
Handwerkerleistungen
Begünstigt
Rechnungen bis 6 000 €
Steuerbonus
20 Prozent der Kosten ohne Material, max 1 200 €
Quelle: Bundesministerium der Finanzen, eigene Recherche
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