Von Brigitte Watermann, 13.04.2016

Steuererklärung Der Mantelbogen: Steuern sparen mit Sonderausgaben & Co.

Die Steuererklärung zählt nicht zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen? Mit unseren Tipps werden Sie ruckzuck fertig. Serie Teil 3: Der Mantelbogen:
Steuererklärung; Bamberg

Auch gezahlte Kirchensteuer ist eine Sonderausgabe Bild: St. Martin Kirche in Bamberg

Ganz vorne erfragt der Fiskus die Angaben zu ihrer Person. Daneben sind im Mantelbogen vor allem besonders die Abschnitte "Sonderausgaben" (ab Zeile 36), aber auch die "Außergewöhnliche Belastungen" (Seite 3/ab Zeile 61) von großer Wichtigkeit.
In beiden schlummert womöglich einiges an Potenzial für ein paar hundert Euro zurück vom Fiskus. Die wichtigsten Zeilen finden Sie im Folgenden kurz erklärt:


Angaben machen oder Pauschbetrag nutzen

Geben Sie bei den Sonderausgaben in die Zeilen 36 bis 56 des vierseitigen Mantelbogens nichts an, bekommen Sie sie nur den Pauschbetrag von 36 bzw. 72 Euro (ledige/ verheiratete Steuerzahler) angerechnet. Die Mühe lohnt sich, denn manches Mal gibt es für privat ausgegebenes Geld eine Rückerstattung vom Fiskus.

Scheidung oder getrennt - die Unterhaltszahlungen

Haben Sie sich scheiden lassen oder lebt Ihr Ehepartner getrennt von Ihnen, so beteiligt sich das Finanzamt an Ihren Unterhaltszahlungen. Bis zu 13.805 Euro sind als Sonderausgaben absetzbar (Zeilen 40/41). Zahlen Sie für den Ex oder die Ex Beiträge zu einer Basiskranken- oder Pflegepflichtversicherung, dürfen Sie das Geld ebenfalls geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Empfänger in Deutschland lebt und über die Anlage U zur Steuererklärung seine Zustimmung gibt, denn er wiederum muss den Unterhalt versteuern (über die Anlage SO zur Steuererklärung).

Unser Tipp: Lässt der Ex statt eines Versorgungsausgleichs eine Abfindung springen, ist die Zahlung seit 2015 absetzbar (Zeile 39). Ob das auch für frühere Jahre möglich ist, darüber berät noch der Bundesfinanzhof (Revisions-Az. X R 41/14).

Kirchensteuer vom Fiskus zurückholen

Auch gezahlte Kirchensteuern sind Sonderausgaben – und gehören in Zeile 42 des Mantelbogens deklariert. Das lohnt sich besonders für Arbeitnehmer. Den Betrag finden Sie in der Jahreslohnbescheinigung Ihres Arbeitgebers. Auch Kirchgeld, das einige Landeskirchen bei glaubensverschiedenen Ehepartner erheben, ist abzugsfähig.

Ausbildung und Studium - was der Fiskus anerkennt

Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder ein Erststudium dürfen Sie bis zu einer Summe von 6 000 Euro als Sonderausgaben absetzen (Zeilen 43/44). Dazu gehört auch die Weiterbildung in einem erlernten, aber nicht ausgeübten Beruf.

Haben Sie vor noch nicht allzu langer Zeit studiert oder eine Berufsausbildung absolviert, dann kommt für Sie eventuell eine nachträgliche Verlustfeststellung für Ihre Bildungskosten in Frage. Der Bundesfinanzhof hat jüngst geurteilt, dass Verjährungsfrist erst nach sieben Jahren abläuft und nicht schon nach vier (Az. IX R 22/14).

Davon profitieren alle Studenten und Auszubildende, die in der Vergangenheit keine freiwillige Steuererklärung abgegeben haben, weil sie ja keine eigenen Einkünfte hatten.

Und so geht es: Sie können die versäumte Abrechnung für Jahre ab 2009 jetzt noch bis Ende 2016 nachholen und Studiengebühren, Kosten für Fachliteratur und andere Bildungskosten beim Finanzamt als Werbungskosten auf der Anlage N geltend machen.

Im Mantelbogen beantragen sie eine Verlustfeststellung. So bringen die früheren Studienkosten später einen Steuervorteil, wenn man das erste Geld verdient.
Zum Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hat das letzte Wort in der Frage, ob Kosten für Erststudium und Ausbildung als Werbungskosten absetzbar sind (Az. 2 BvL 22, 23 und 27/14). Das Finanzamt will diese Kosten bisher nur als Sonderausgaben anerkennen – in Jahren ohne eigenes Einkommen gäbe es dann keinen Steuervorteil.

Geldspenden an mildtätige, kirchliche, religiöse oder gemeinnützige Organisationen sind ebenfalls als Sonderausgaben absetzbar (Zeilen 45/46).

Unser Tipp: Bei Spenden von mehr als 200 Euro will der Fiskus meist eine Spendenbescheinigung der jeweiligen Organisation sein – bei geringeren Beträgen reicht als auch der Kontoauszug als Nachweis. Der vereinfachte Spendennachweis gilt übrigens bei Zuwendungen im Rahmen der Flüchtlingshilfe auch bei höheren Beträgen. Das hat das Bundesfinanzministerium per Erlass vom 22. September 2015 (Az. IV C 4 – S 2223/07/0015:015) geregelt.

Bei Mitgliedsbeiträgen und Spenden an politische Parteien und Wählervereinigungen (Zeile 47/48) beteiligte sich der Fiskus mit 50 Prozent der Ausgaben, höchstens aber mit 825 Euro (Ehegatten 1 650 Euro).

Hier lesen Sie mehr zu Teil 1 unserer Serie Steuererklärung - wer überhaupt eine Steuererklärung abgeben muss. Teil 2 - Elster - Die online Steuererklärung.

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Foto: St. Martin Kirche Bamberg / Phillip Holland / Shutterstock.com ID:6651

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