Von Michael Schreiber, 05.03.2015

Steuern sparen Mit Kindern Abgeltungssteuer sparen

Zinshopper m√ľssen seit langem auf attraktive Renditen verzichten. Familien, die Geld anlegen, k√∂nnen Aktien oder Fonds w√§hlen und mit Hilfe der Kinder Steuern sparen.
Steuern sparen Mit Kindern Abgeltungssteuer sparen
Bei der Bank gibt es nur noch mickrige Zinsangebote f√ľr Sparbriefe, Fest- und Tagesgelder. Das wenige, was an Zinsertrag f√ľr den Sparstrumpf abf√§llt, wird entweder von der Inflation aufgefressen oder vom Finanzamt besteuert. Einige Bausparkassen k√ľndigen ihren langj√§hrigen Kunden gerade hochverzinsliche Altvertr√§ge, weil sie die versprochenen Zinsen von bis zu vier Prozent nicht mehr zahlen wollen. Die Lebensversicherer haben zum Jahresbeginn den Garantiezins auf des Deutschen liebstes Altersvorsorgeprodukt auf 1,25 Prozent gesenkt. Und jetzt das: Durch die Entscheidung der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) vom 22. Januar, die Finanzm√§rkte in den n√§chsten drei Jahren mit 1,1 Billionen Euro billigem Geld f√∂rmlich zu fluten, zementiert EZB-Chef Mario Draghi das Jammertal f√ľr eingefleischte Zinsanleger auf Dauer. Steigende Zinsen sind auf absehbare Zeit nicht mehr in Sicht.

Wohin also mit dem Geld?

Familien m√ľssen bei der Geldanlage umdenken und mehr Risiken in Kauf nehmen. Renditej√§ger sollten sich deshalb am Aktienmarkt nach Dividendenperlen umschauen. Mit soliden Standardtiteln vom deutschen Kurszettel wie der Allianz-Versicherung, dem Chemieriesen BASF, der Deutschen Telekom oder Daimler lassen sich trotz der gestiegenen Kurse immer noch Dividendenrenditen von bis zu 4,5 Prozent vor Steuern verdienen.

Damit auch nach Steuern ein ordentliches Plus √ľbrig bleibt, sollte man bei der Geldanlage allerdings auch das steuerliche Einmaleins der Abgeltungsteuer im Blick haben. F√ľr Zinsertr√§ge, Dividenden und Kursgewinne aus Wertpapiergesch√§ften verlangt das Finanzamt 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidarit√§tszuschlag. Der Steuerabzug wird von der Bank direkt bei Auszahlung der Ertr√§ge vorgenommen – der Sparer erh√§lt nur den Nettobetrag gutgeschrieben. Anleger, die ihrer inl√§ndischen Bank einen Freistellungsauftrag √ľber den Sparerpauschbetrag von 801/1.602 Euro (Ledige/Verheiratete) erteilen, bekommen bis zu diesem Freibetrag Kapitaleinkommen ohne Steuerabz√ľge – brutto f√ľr netto - ausgezahlt.

Nachwuchs als Steueroase

Eltern k√∂nnen bei der Geldanlage Steuern sparen, wenn sie einen Teil ihrer Ersparnisse vor dem n√§chsten Zins- oder Dividendentermin auf ihre Kinder √ľbertragen. Mit diesem Trick schl√§gt man steuerlich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Bis zu 400.000 Euro k√∂nnen alle zehn Jahre pro Elternteil steuerfrei auf die Kinder weitergegeben werden, ohne dass das Finanzamt daf√ľr Schenkungsteuer kassiert. Gro√üeltern k√∂nnen immerhin noch getrennt voneinander jedem Enkel 200.000 Euro schenken, ohne den Fiskus an den Ersparnissen beteiligen zu m√ľssen.
 

Schenkung und Abgeltungsteuer

Denn neben dem Kapital bleiben auch die Sparertr√§ge bei Kindern in 2015 bis zu 9.309 Euro steuerfrei. Eltern m√ľssten f√ľr den gleichen Betrag in 2015 2.455 Euro Abgeltungsteuer und Solidarit√§tszuschlag zahlen. Kinder gelten bereits im zarten Windelalter als vollwertige Steuerzahler, die eine ganze Palette eigener Steuerfreibetr√§ge nutzen k√∂nnen (siehe Tabelle). Bei einer angenommenen Verzinsung von 2% bleibt damit in 2015 immerhin ein Verm√∂gen von rd. 465.000 Euro pro Kind steuerlich unbelastet.
 

NV-Bescheinigung erspart Papierkrieg

Kapitalertr√§ge der Kinder k√∂nnen bei der Bank mit Hilfe eines eigenen Freistellungsauftrages maximal in H√∂he des Sparerpauschbetrages von 801 Euro steuerfrei gestellt werden. Erzielen die Kinder Zinsen und Dividenden oberhalb dieses Freistellungsvolumens, ist die Bank zum Abzug der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidarit√§tszuschlag verpflichtet. Diese Steuern m√ľssen sich die Eltern vom Finanzamt wiederholen, in dem sie als Erziehungsberechtigte im Namen ihrer Kinder Jahr f√ľr Jahr eine Einkommensteuererkl√§rung einreichen. Unn√∂tige Steuerabz√ľge kann man jedoch auf bequemere Art vermeiden. Eltern legen der kontof√ľhrenden Bank statt eines Freistellungsauftrages eine „Nichtveranlagungsbescheinigung“ f√ľr ihren Nachwuchs vor. Die Bescheinigung wird f√ľr einen Zeitraum von maximal drei Jahren anstandslos ausgestellt, wenn die Einnahmen des Kindes auf absehbare Zeit unter 9.309 Euro (2015) bleiben. Den Antragsvordruck NV 1 A erhalten Steuerzahler bei ihrem √∂rtlichen Finanzamt oder unter www.formulare-bfinv.de, unter den Stichworten „Formularcenter, Formulare A-Z, Nichtveranlagungsbescheinigung“ zum Download. Nach Ablauf der Frist muss die Bescheinigung erneut beantragt werden.

Nachteile vermeiden

Bei der Verm√∂gens√ľbertragung auf Kinder sollte man allerdings einige Fallgruben kennen, damit die famili√§re Steueroase nicht zum finanziellen Rohrkrepierer wird. Haben Eltern oder Gro√üeltern gr√∂√üere Betr√§ge innerhalb der Familie √ľberschrieben, um Steuern zu sparen, pr√ľfen die Finanz√§mter nach einer Verf√ľgung der OFD Magdeburg (Az. S 2252-90-St 214) genau, ob das Verm√∂gen auch tats√§chlich und endg√ľltig auf den Nachwuchs √ľbertragen wurde. Die Eltern und Gro√üeltern k√∂nnen nicht mehr ohne weiteres auf Kapital und Zinsen zur√ľckgreifen, wenn sie ein Konto oder Depot auf den Namen des Nachwuchses eingerichtet haben (Urteil des Landgerichtes Coburg, Az. 33 S 9/10). Um Schwierigkeiten mit dem Finanzamt vorzubeugen, sollte gegen√ľber der Bank bereits im Kontoer√∂ffnungsantrag deutlich gemacht werden, dass der Nachwuchs als Gl√§ubiger des Guthabens bestimmt wird und die Eltern nur im Rahmen des elterlichen Sorgerechtes verf√ľgungsberechtigt sein sollen. Zudem k√∂nnen die Kinder nach Vollendung des achtzehnten Lebensjahres frei √ľber ihr Geld verf√ľgen. Vorsichtige Eltern wickeln die Schenkung deshalb √ľber einen notariellen Vertrag ab, in dem sie festlegen, dass die Ertr√§ge des Verm√∂gens zweckgebunden f√ľr die Berufsausbildung oder einen Immobilienerwerb des beschenkten Kindes genutzt werden m√ľssen. Dieser Schachzug beugt nicht nur finanziellen Eskapaden der Kinder vor – der Notarvertrag dient auch gegen√ľber dem Finanzamt als Nachweis f√ľr eine ernsthaft gewollte Verm√∂gens√ľbertragung.

Krankenkassen forschen nach

Auch die Krankenkassen fragen konsequent nach Familienangeh√∂rigen, die trotz eigenem Verdienst beitragsfrei beim Haushaltsvorstand mitversichert sind. Das ist f√ľr Kinder in Ausbildung und Studium grunds√§tzlich bis zum 25. Lebensjahr m√∂glich – allerdings nur, wenn diese nicht zu √ľppig verdienen. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes z√§hlen neben Eink√ľnften aus Mini- oder Teilzeitjobs auch Zinseinnahmen zum anrechenbaren Gesamteinkommen des Kindes (Az. B 12 KR 13/02 R). Zinsertr√§ge bleiben in H√∂he des Sparerpauschbetrages bei der Berechnung au√üen vor. Liegen die nach Abzug des Freibetrages verbleibenden Kapitalertr√§ge im Kalenderjahr 2015 √ľber 4.860 Euro (405 Euro monatlich), endet die kostenfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung. F√ľr den Fall, dass das Kind einer geringf√ľgigen Besch√§ftigung nachgeht (450-Euro-Job), betr√§gt die Grenze 450 Euro monatlich, also 5.400 Euro im Jahr. Der Nachwuchs muss sich dann aus eigener Tasche versichern und die Pr√§mien f√ľr die Krankenkasse zehren den Steuervorteil wieder auf.
Soviel Zinserträge können Kinder steuerfrei kassieren
   2014 2015 2016
¬†Grundfreibetrag ¬†8 354 € ¬†8 472 € ¬†8 652 €
¬†Sparerpauschbetrag ¬†801 € ¬†801 € ¬†801 €
¬†Sonderausgaben-Pauschbetrag ¬†36 € ¬†36 € ¬†36 €
¬†Steuerfreies Einkommen je Kind ¬†9 191 € ¬†9 309 € ¬†9 489 €
Quelle: eigene Recherche; Grundfreibetrag 2015 und 2016 – erwartete Anhebung aufgrund Existenzminimum-Bericht
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