Von Michael Schreiber und Brigitte Watermann, 30.11.2012 (Aktualisiert 26.08.2015)

Internethandel Der Fiskus steigert mit

Auf virtuellen Tr√∂delm√§rkten erzielte Gewinne sind nicht immer Privatsache. Gewerbliche H√§ndler m√ľssen mit dem Fiskus teilen. Was Familien dazu wissen m√ľssen.
Internethandel Der Fiskus steigert mit

Der Internethandel verzeichnet große Umsatzzuwächse

Wer seinen Keller entr√ľmpelt oder die Wohnung eines verstorbenen Angeh√∂rigen aufl√∂st, bleibt beim Online-Verkauf steuerlich unbehelligt, selbst wenn er etliche Teile anbietet oder kurzfristig gr√∂√üere Ums√§tze erzielt. Gelassen zur√ľcklehnen k√∂nnen sich auch Privatsammler von M√ľnzen und Briefmarken, die √ľber das Web nur Einzelst√ľcke versilbern, ihre Sammlung umschichten oder zum Beispiel nach einer Erbschaft die komplette Sammlung zu Geld machen. Sie haben steuerlich nichts zu bef√ľrchten.

Steuerpflicht, wenn weniger als ein Jahr zwischen Kauf und Verkauf

Doch es gibt Ausnahmen f√ľr Privatanbieter, die man beachten muss: Gewinne aus dem Verkauf besonders wertvoller Gegenst√§nde wie Antiquit√§ten, Goldbarren- und M√ľnzen oder Schmuck m√ľssen in der Einkommensteuererkl√§rung angegeben werden, sofern zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr vergangen ist und der Gewinn √ľber das Jahr gerechnet mehr als 599,99 Euro betragen hat. Diese Spekulationssteuer greift nicht f√ľr Gewinne aus dem Verkauf von Gebrauchsgegenst√§nden wie Babykleidung oder Hausrat.

Doch Familienmitglieder sollten vorsichtig sein, wenn sie angesichts des schnell verdienten Euros vom Jagdfieber gepackt werden und im gro√üen Stil weiterhandeln. Die Anzahl der Auktionen oder die H√∂he der Ums√§tze sind allein nicht entscheidend. Der Fiskus schaut auch darauf, wie konkret und professionell man beim Verkauf vorgeht. Wer einen eigenen Online-Shop aufbaut, Kataloge verteilt und so auf sein Angebot aufmerksam macht, gezielt Waren zum Weiterverkauf beschafft oder mit sammleruntypischen Waren wie Schmuck, Teppichen, Kleidung oder Hausrat dealt, wird in den Augen kritischer Finanzbeamter schnell die Schwelle zum steuerpflichtigen H√§ndler √ľberschreiten.

Steuerpflicht bei mehr als 40 Verkäufen im Monat

Wer schon eine eigene Firma hat und das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal nutzt, ist von vornherein auch mit seinen Online-Umsätzen steuerpflichtig. Eine genaue Grenze zu gewerblichen Anbietern ist jedoch schwierig zu treffen. Allerdings weisen Merkmale wie mehr als 40 Verkäufe in wenigen Monaten oder der Status als Power Seller (monatlicher Mindestumsatz 3.000 Euro) auf gewerbliche Aktivitäten hin, ebenso intensive Werbeaussagen.

Gleich mit drei Steuern will das Finanzamt am gesch√§ftlichen Erfolg des Online-H√§ndlers teilhaben. Gewerbetreibende m√ľssen zun√§chst beim Ordnungsamt ihrer Stadt oder Gemeinde eine Gewerbeanmeldung vornehmen – davon erf√§hrt das √∂rtliche Finanzamt automatisch. Au√üerdem werden sie mit ihren Gewinnen einkommensteuerpflichtig.

Steuerpflicht bei mehr als 8.004 Euro

Wer ausschlie√ülich vom Onlinehandel lebt, muss eine Steuererkl√§rung abgeben, wenn sein Gewinn mehr als 8.004 Euro j√§hrlich betr√§gt – f√ľr Ehegatten gilt eine Grenze von 16.008 Euro. Arbeitnehmer, die sich nach Feierabend etwas dazuverdienen wollen, k√∂nnen Gewinne bis zu 410 Euro legal steuerfrei einstreichen. Dar√ľber hinaus m√ľssen auch sie ihre Nebeneink√ľnfte versteuern. Bei Gewinnen ab 24.500 Euro will die √∂rtliche Kommune zus√§tzlich Gewerbesteuer kassieren. Daneben kann Umsatzsteuer anfallen – je nach Art der Ware sieben oder 19 Prozent des Verkaufserl√∂ses. Verschont bleiben allerdings Kleinunternehmer, die mit ihren Bruttoverkaufserl√∂sen im vergangenen Jahr unterhalb der Freigrenze von 17.500 Euro geblieben sind und im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erwirtschaften. Erst dar√ľber m√ľssen sie zahlen.

Mehrere Pflichten f√ľr Profi-H√§ndler

Nicht nur f√ľr die Steuerpflicht ist es wichtig zu wissen, ob man als privater oder gewerblicher Verk√§ufer einzustufen ist, sondern auch f√ľr die Haftungsregeln. Als privater Verk√§ufer √ľber Ebay darf man die Haftung f√ľr Sachm√§ngel ausschlie√üen. Gewerbliche Verk√§ufer m√ľssen ihren Kunden dagegen ein Widerrufs- und R√ľckgaberecht einr√§umen: bei gebrauchten Waren mindestens zw√∂lf Monate Gew√§hrleistung und bei Neuware 24 Monate.

Der Fiskus sucht mit „XPider“ und steigert mit

Die Finanzbeh√∂rden interessieren sich verst√§rkt f√ľr Privatleute, Existenzgr√ľnder und etablierte H√§ndler, die die Anonymit√§t des Internets gezielt nutzen, um am Finanzamt vorbei im gro√üen Stil schwarze Kasse zu machen. Mit Hilfe einer virtuellen Suchmaschine namens „XPider“ durchforstet eine spezielle Pr√ľfgruppe des Bundeszentralamtes f√ľr Steuern in Bonn s√§mtliche Verkaufsportale auf der Suche nach unerkannten Steuers√ľndern. Die Maschine erfasst H√§ndler im Netz und stellt Querverbindungen mit vorhandenen Beh√∂rdendaten her. Wer √ľber l√§ngere Zeit viel verkauft oder gr√∂√üere Posten Neuware anbietet, ger√§t daher schnell ins Visier der Fahnder. Pseudonyme bewahren die Profi-Verk√§ufer nicht vor der Enttarnung. Die Betreiber der Online-Portale m√ľssen die Klarnamen der „Power-Seller“ auf Verlangen der Finanz√§mter offenbaren (Verf√ľgung der OFD M√ľnchen Az. S 0230 – 32 St 313).

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