Von Eike Schulze, 16.01.2014

Scheidung Streit ums Haus

Die Scheidung steht an! Wie beide Partner am besten regeln, was mit den gemeinsamen vier Wänden geschehen soll.
Scheidung Hauseigentum Mit der Immobilie verheiratet

Wenn Ehepartner getrennte Wege gehen, stellt sich oft die Frage, was mit einer finanzierten Wohnung passieren soll

Zwangsversteigerung muss nicht sein

Fast jede zweite Ehe in Deutschland geht auseinander – Grund genug sich Gedanken √ľber den Fall der F√§lle zu machen, gerade wenn die Eheleute ein Eigenheim besitzen: „Der Finanzierungskredit bleibt in jedem Fall bestehen“, erkl√§rt Stephan Scharfenorth vom Baufinanzierungsportal Baufi24.de. „Daher ist eine fr√ľhzeitige Einigung der Partner f√ľr die weitere Entwicklung wichtig“, mahnt der Experte. Entsprechend sollten die Parteien im Rahmen des Scheidungsverfahrens eine Entscheidung √ľber das Wohneigentum treffen. K√∂nnen sich beide Partner hier√ľber nicht einigen oder einen finanziellen Ausweg finden, muss die Immobilie ver√§u√üert, im schlimmsten Fall sogar versteigert werden. „Die Teilungsversteigerung wird h√§ufig allein deshalb betrieben, weil beide Ehegatten die Immobilie zum Alleineigentum erwerben m√∂chten. Daher scheitert der Verkauf“, beschreibt Rechtsanw√§ltin Nicole Thiele aus Hannover die Situation.

Die finanziellen Folgen w√ľrden dabei h√§ufig g√§nzlich au√üer Acht gelassen. Banken verlangen in diesen F√§llen n√§mlich eine Vorf√§lligkeitsentsch√§digung f√ľr den entgangenen Zinsgewinn des Darlehens, und das kann teuer werden. Eine Versteigerung kann grunds√§tzlich nur der allerletzte Ausweg sein.

Einer √ľbernimmt das H√§uschen

Bleibt ein Partner weiter in der Immobilie, so k√∂nnen beide bereits w√§hrend der Trennung eine Nutzungsvereinbarung treffen. „In diesen F√§llen wird meist ein Nutzungsentgelt festgelegt“, so Anw√§ltin Thiele. M√∂chte ein Ehegatte die Immobilie als Alleineigent√ľmer nach der Scheidung √ľbernehmen, geschieht dies durch eine notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung. Hier ist der Zugewinn jedes Ehepartners zu berechnen und entsprechend auszugleichen. Im Regelfall muss damit jener Partner ausbezahlt werden, der aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist.

Damit ist das Problem allerdings noch nicht gel√∂st, zumindest bei einer finanzierten Immobilie. Der springende Punkt ist nun, wie die Finanzierung weiter fortgef√ľhrt wird. „Auch wenn nur ein Partner die Immobilie weiter nutzt, verbleibt auch der andere Ehepartner in der Finanzierung“, schildert Baufinanzierungsexperte Stephan Scharfenorth die Ausgangslage. „Ein Sonderk√ľndigungsrecht besteht in diesen F√§llen nicht.“

F√ľr das Kreditinstitut sind die pers√∂nlichen Umst√§nde nicht ausschlaggebend. W√ľrde einer der beiden Kreditnehmer zur weiteren Finanzierung ausfallen, so √§ndern sich die Rahmenbedingungen f√ľr das Kreditinstitut. Damit ginge eine Neubewertung des Kredites einher. Daher bleiben viele Ehepartner auch noch √ľber die Scheidung hinaus mit der Immobilie „verheiratet“.

Haftungsentlassung kann ein Ausweg sein

Nur wenige Banken gew√§hren problemlos eine sogenannte Haftungsentlassung aus dem Darlehensvertrag. Entscheidend sind hierbei die Finanzkraft des √ľbernehmenden Partners und die H√∂he der Restschuld. Wenn hier kein gro√üer Unterschied bei der Risikoabw√§gung besteht, ist die Haftungsentlassung m√∂glich, ebenso bei einer nur noch kurz laufenden Finanzierung.

Allerdings sind Kreditgeber nicht verpflichtet, einem Ehepartner eine Haftungsfreistellung einzur√§umen. Selbstst√§ndige haben es in der Regel schwerer, da ihre Bonit√§t aus Sicht der Banken nicht immer gew√§hrleistet ist. Und: Eine Haftungsentlassung ist nur bei Scheidung, nicht aber bei Trennung m√∂glich. Ehepaare, die keine Haftungsentlassung bekommen, sollten eine Freistellung im Innenverh√§ltnis erwirken. „Die Verpflichtung zur Umschuldung muss dann notariell beurkundet und eine Einschr√§nkung der Zweckbestimmung festgelegt werden“, zeigt Nicole Thiele einen Weg auf, „denn nur so wird vermieden, dass die Bank das Grundpfandrecht zur Absicherung k√ľnftiger Schulden des √ľbertragenden Ehegatten verwendet.“

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