Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 19.06.2012 (Aktualisiert 24.07.2013)

Hartz-IV-Kinder 1.200 Euro im Ferienjob sind erlaubt

Schüler, die eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen, dürfen in Ferienjobs pro Jahr 1.200 Euro hinzuverdienen, ohne dass die Jobcenter die monatliche Zahlung kürzen.
Hartz-IV-Kinder 1.200 Euro im Ferienjob sind erlaubt

Schüler die Arbeitslosengeld-II beziehen, müssen bei Ferienjobs einiges beachten

Die 1.200-Euro-Regelung gilt für Schüler, die ALG-II oder Sozialgeld beziehen, unter 25 Jahre alt sind und kein Ausbildungsentgelt erhalten. Wer den Freibetrag für den Ferienverdienst nutzen will, sollte allerdings auf das Kleingedruckte achten.

Vier-Wochen-Grenze

Die 1.200 Euro gelten nur für Ferienarbeiten von einer Dauer von „höchstens vier Wochen je Kalenderjahr“. Wer beispielsweise schon in den Osterferien zwei Wochen gejobbt und damals 300 Euro verdient hat, hat damit bereits zwei Wochen seines Anspruchs „verbraucht“. In den Sommerferien darf der Schüler dann höchstens noch zwei weitere Wochen arbeiten und dabei anrechnungsfrei 900 Euro verdienen.

100 Euro pro Monat schaden nicht

Generell gilt für alle ALG-II-Bezieher, also auch für Schüler: Einkünfte in Höhe von 100 Euro pro Monat sind – ganz unabhängig von der Ferien-Regelung – anrechnungsfrei. Schüler, die beispielsweise monatlich 100 Euro durch das Verteilen von Prospekten verdienen, dürfen diesen Betrag also behalten – soweit sie keine weiteren Einkünfte aus Erwerbstätigkeit haben. 100 Euro pro Monat dürfen Schüler auch während der Schulferien verdienen, ohne dass damit das „1.200-Euro-Privileg“ verbraucht wird. Praktisch bedeutet das: Ein Schüler aus einer Hartz-IV-Familie darf elf Monate lang je 100 Euro anrechnungsfrei hinzuverdienen und zusätzlich noch einmal 1.200 Euro in einem vierwöchigen Job in den Sommerferien. Geregelt ist dies in Paragraf 1 Absatz 4 der ALG-II-Verordnung. Insgesamt ist ein anrechnungsfreier Verdienst von 2.300 Euro im Jahr erlaubt – also gar nicht so wenig.

Gefährliches Ansparen?

Das Geld können die Schüler ganz nach Belieben verwenden. Sie können also damit verreisen oder sich ein Notebook kaufen. Ganz frei sind sie in der Geldverwendung allerdings doch nicht. Denn wenn sie das Geld auf die hohe Kante legen, kann es Ärger mit den Vermögensfreibeträgen bei Hartz IV geben. Hierzu ein Beispiel: Ein Schüler hat ein Sparbuch. Darauf liegen 3.500 Euro. Das ist so in Ordnung (auch wenn es natürlich bessere Geldanlagen gibt). Denn Kinder dürfen 3.850 Euro an Rücklagen besitzen und bekommen dennoch Hartz-IV-Leistungen. Wenn jetzt aber im August noch 1.200 Euro aus einem Ferienjob aufs Sparbuch kommen, ist der Vermögensfreibetrag überschritten. Da jetzt 4.700 Euro (3.500 plus 1.200 Euro) auf dem Sparbuch liegen, gibt es ab September für den Schüler kein ALG II mehr – bis der Betrag, der über 3.850 Euro hinausgeht, aufgebraucht ist. Mit dem Sparen sollte man also nicht übertreiben.

Gefährliche Kinderarbeit?

Schaden solche Schülerjobs den Kindern? – wird jetzt mancher fragen. Nach Aussagen von Experten ist das nicht der Fall. So kommt etwa der zwölfte Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung zu einer positiven Wertung von Schülerjobs, was schon in der Zwischenüberschrift „Lerneffekte und Kompetenzerwerb durch Schülerjob“ zum Ausdruck kommt. Der Bericht referiert dabei u.a. eine Auswertung der Ergebnisse des Sozio-ökonomischen Panels durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er kommt zu dem Ergebnis, dass jobbende Schüler „insgesamt überdurchschnittlich aktive Jugendliche“ seien. Negative Auswirkungen auf Schulleistungen stellte das DIW nicht fest.
 

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Leserkommentare

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05.09.2012 16:53 Uhr
Helferin: Hartz-IV-Kinder
Hätte noch eine Anmerkung zu Libertie: Wenn der Bedarf des Kindes wg. Einkommen aus Kindergeld und Unterhalt überschritten wird, wird doch das, überschreitende Einkommen bis in Höhe der Überschreitung bzw. max. in Höhe desKindergeldanspruchs dem mit im Haushalt lebenden Elternteils als Einkommen angerechnet. Damit würde dem Kind ja kein Einkommen zur Deckung der evtl. nach dem Bildungspaket bestehenden Bedarfe verbleiben. Dies ist vom Gesetzgeber so nicht gewollt. Ich würde diese dem Jobcenter auflisten welche Bedarfe nach § 28 SGB II bei Ihrem Sohn bestehen und deren Berücksichtigung beantragen.. M.W. ist der Anspruch auf diese Leistungen in Ihrem Fall bzw. dem Ihres Sohne nicht entfallen. Die Bedarfe für Bildung und Teilhabe nach § 28 SGB II gehören nämlich auch zum Gesamt- Bedarf Ihres Sohnes. Dies ergibt sich auch aus § 19 Abs. 4 Satz 2 und 3 SGB II ....." zu berücksichtigendes Einkommen und vermögen deckt zunächst die Bedarfe nach den §§ 20,32 u. 23, daüber hinaus nach § 22. Sind nur noch Leistungen für Bildung und Teilhabe zu lesten, deckt weiteres zu berücksichtigendes Einkommen und Vermögen die Bedarfe in der Reihenfolge der Absätze 2 bis 7 nach § 28 SGB II " also die für Bildg. u. Teilh. - Bei Ihrem Sohn wären dies die mtl. 4 , die auf Busfahrt, Mensaessen oder Ausflüge, einmalige Schulbeihilfe angerechnet werden könnten, und damit nicht auf Ihren lfd. Bedarf.

10.07.2012 08:48 Uhr
Libertie: Noch mehr Nachteile
Bei Schülern über 18 wird auch noch der Unterhalt, den der Vater ja weiterhin zahlt, nachteilig angerechnet. Mein Sohn ist durch sein "Einkommen" Kindergeld und Unterhaltszahlung mit ca. vier Euro aus dem Bezug gefallen und hat dadurch noch nichtmal Anspruch auf das so hochgelobte "Bildung und Teilhabe-Paket", also kein Nebenjob, kein Zuschuss für Klassenfahrt, Busfahrt, Mensa o.ä. Also immer vorher anrufen, sonst ist Ihr Kind enttäuscht.

02.10.2011 12:58 Uhr
Liebre: Mehr Nachteile für ü18
Bei Schülern über 18, die bisher also gut und erfolgreich gearbeitet haben und meist auf dem Weg zum Abitur sind, gibt es einen Nachteil bei der 100-Euro-Grenze: Sie dürfen ihr Kindergeld-"Einkommen" um 30 Euro als Versicherungspauschale bereinigen lassen. Diese 30 Euro sind aber auch schon im 100-Euro-Freibetrag enthalten, werden also kein zweites Mal anerkannt. Ein Schüler mit einem 100-Euro-Einkommen darf also nur 70 Euro anrechnungsfrei behalten.


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