Von Brigitte Watermann, 17.04.2016

Steuererklärung Der Mantelbogen: So sparen Sie Steuern mit außergewöhnlichen Belastungen

Die Steuererklärung zählt nicht zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen? Mit unseren Tipps werden Sie ruckzuck fertig. Serie Teil 4: Außergewöhnliche Belastungen:
Steuererklärung

Kosten für eine Kur können Sie von der Steuer absetzen

Wie es der Name schon sagt – außergewöhnliche Belastungen haben Sie zumeist nicht jedes Jahr zu tragen. So holen Sie steuerlich einiges heraus: Über die detaillierte Angabe der "außergewöhnlichen Belastungen" können Sie einen Steuerrabatt einstreichen. Auf Seite 3 des Mantelbogens ab Zeile 61 lassen sie sich im Detail eintragen. Diese außergewöhnlichen Belastungen können unterschiedlichster Art sein:

Krankheits- und Kurkosten, aber etwa auch Aufwendungen für die Beseitigung von Unwetterschäden gehören in die Zeilen 67-68. Das lohnt sich aber nur dann für Sie, wenn die Kosten hoch genug ausfielen und nicht von anderer Stelle ersetzt wurden. Denn je nach Einkommen und Familienstand sieht der Fiskus einen Eigenanteil vor, den Sie tragen müssen, bevor sich die Kosten steuermindernd auswirken. Diese Praxis hat der Bundesfinanzhof jüngst akzeptiert (Az. VI R 32 und 33/13). Wichtig: Haben Sie Rückerstattungen zum Beispiel von Ihrer Krankenkasse bekommen, müssen Sie das in der Zeile 67 angeben. Zuzahlungen für ärztlich verordnete Medikamente, Zahnspangen und Zahnersatz sowie Hilfsmittel wie Brillen und Einlagen sind hier ebenfalls steuerlich absetzbar.

So können Sie nachträglich Ihre Scheidung absetzen

Seit 2013 will der Gesetzgeber den Steuerabzug für zivile Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen nicht mehr akzeptieren. Ob das auch für die unumgänglichen Gerichts- und Anwaltskosten bei Scheidungen gilt, könnte der Bundesfinanzhof in drei Musterverfahren klären (Az. VI R 66/14, 81/14 und 19/15).

Unser Tipp: Sind Sie davon betroffen, geben Sie ihre Prozesskosten an und berufen sich auf die genannten Verfahren. Auch ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Köln vom 13.1.2016 (Az.: 14 K 1861/15) gestattet den Abzug der Kosten eines Schei-dungsverfahrens als außergewöhnliche Belastung, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, Revision wurde gestattet.


Tabelle:  Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen 
 
Gesamtbetrag der
Einkünfte
Bis
15.340 Euro
Bis
51.130 Euro
Über
51.130 Euro
Ledige ohne Kinder
5 %
6 %
7 %
Verheiratete ohne Kinder
4 %
5 %
6 %
Mit 1 oder 2 Kindern
2 %
3 %
4 %
Mit 3 oder mehr Kindern
1 %
1 %
2 %
Quelle: Einkommensteuergesetz

Bei Pflege und Behinderung gewährt das Finanzamt gewisse Pauschbeträge

So gibt es für behinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindes-tens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 61-64). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1.420 Euro bei einem GdB von 100 Pro-zent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde bekommen sogar einen Freibetrag von 3.700 Euro eingeräumt. Als Nachweis verlangen die Prüfer vom Amt bei einem GdB von mindestens 50 Prozent eine Ablichtung des Schwerbehindertenausweises vom Versorgungsamt. Wenn Sie einen Angehörigen bei sich oder in dessen Woh-nung pflegen, erhalten Sie einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 65/66). Voraussetzung: Der Gepflegte hat die Pflegestufe II oder ein "H" im Schwerbehinder-tenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos – er darf allerdings nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst wird der Pflegepauschbetrag gestrichen.

Ihre Haushaltshilfe und der Handwerker ist steuerwirksam

Auch haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen dürfen Sie zur Steuerminderung einsetzen.

Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, zum Beispiel für die Putzfrau, die Pflegerin oder den Gärtner geben Sie in den Zeilen 69 – 73 des Mantelbogens der Steuererklärung an. Aufgepasst bei Handwerkerrechnungen (Zeile 73): Sie dürfen die reinen Arbeitskosten, aber auch Maschinen- und Fahrtkosten sowie die Umsatzsteuer geltend machen. Materialkosten gehen dagegen nicht durch.

Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Reparaturkosten von Haushaltsgeräten wie Waschmaschine & Co. mit 20 Prozent der Rechnungssumme, aber nur bis zur Grenze von 1.200 Euro. Wichtig: Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden, Überweisung ist ein Muss.

Unser Tipp: Selbst als Mieter dürfen Sie Teile ihrer Nebenkostenabrechnung absetzen – nämlich die Kosten, die auf Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schneeräumdienst, Gartenpflege oder Schornsteinfeger entfallen. Auch für private Umzugskosten gibt es einen Steuerbonus.
Steuervorteile für haushaltsnahe Dienstleistungen im Überblick
Die Steuerboni für alle drei Arten von haushaltsnahen Dienstleistungen können bis zu einem Maximalrabatt von 5 710 € kombiniert werden
Haushaltsnahe Dienstleistungen
Begünstigt
Rechnungen bis 20 000 €
Steuerbonus
20 Prozent der Kosten, maximal 4 000 €
Minijobs
Begünstigt
Rechnungen bis 2 550 €
Steuerbonus
20 Prozent der Kosten, maximal 510 €
Handwerkerleistungen
Begünstigt
Rechnungen bis 6 000 €
Steuerbonus
20 Prozent der Kosten ohne Material, max 1 200 €
Quelle: Bundesministerium der Finanzen, eigene Recherche

Hier lesen Sie mehr zu Teil 1 unserer Serie Steuererklärung - Wer überhaupt eine Steuererklärung abgeben muss. Teil 2 - Elster - Die online Steuererklärung. Teil 3 - Der Mantelbogen

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