Birgit M├╝ller
Ein Beitrag von Birgit M├╝ller, 26.03.2015

Sparkasse Sparkasse will Kunden-Provision einstreichen

Mitte April ├Ąndern die Sparkassen ihre Allgemeinen Gesch├Ąftsbedingungen. Davon sind Kunden mit Wertpapierdepots betroffen. Wer sich beschwert, muss mit der K├╝ndigung rechnen.
Sparkasse Sparkasse will Kunden-Provision einstreichen

Der Banker hatte in der Vergangenheit nicht immer viel zu lachen

Bei den Sparkassen k├Ânnen Kunden nicht nur Sparb├╝cher abschlie├čen, sondern auch ein Depot f├╝r Wertpapiere und Fonds. Das Wertpapierdepot ist teurer als bei vielen Direktbanken und wird jetzt noch unattraktiver. Denn am 15. April wollen die Sparkassen ihre Allgemeinen Gesch├Ąftsbedingungen ├Ąndern: Dann flie├čen wie gehabt Provisionen, die bei der Vermittlung von Geldanlageprodukten dem Kunden zustehen, an die Sparkasse.┬áDie Sparkasse will die Provision also f├╝r sich behalten und die g├Ąngige Praxis in den Allgemeinen Gesch├Ąftsbedingungen (AGB) in Stein mei├čeln, damit sich daran auch in Zukunft nichts ├Ąndert. Kunden die ein Wertpapierdepot bei der Sparkasse besitzen und nicht widersprechen, stimmen dem automatisch zu. "Die Sparkassen greifen damit massiv in das bestehende Vertragsverh├Ąltnis ein. Sie weichen von gesetzlichen Regeln ab und all das ohne ihre Kunden aktiv um Zustimmung zu bitten", kritisiert Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Dennoch ist dies nicht nur bei den Sparkassen, sondern bei den meisten Geldh├Ąusern seit Jahren so ├╝blich.

Provisionen verschlechtern unabh├Ąngige Beratung

Verbrauchersch├╝tzer kritisieren schon seit Jahren, dass undurchsichtige Provisionsgeschachere der Banken und deren Berater sowie Kooperationspartner. Hintergrund der Kritik ist, dass die Unabh├Ąngigkeit der Beratung durch unterschiedlich hohe Provisionen bei Produkten gef├Ąhrdet ist. Denn die Vergangenheit best├Ątigte, dass eben h├Ąufig diese Produkte an den Mann oder die Frau gebracht wurden, die dem Banker das meiste Geld einbrachten und nicht dem Kunden. So wurde h├Ąufig nicht die provisionsschw├Ąchere Anlage, der Fonds oder Versicherung an den Kunden verkauft.

Diese Pr├Ąmien fallen beim Fondskauf an

Stiftung Warentest in Berlin sch├Ątzt, dass Banken j├Ąhrlich zwei bis drei Milliarden Euro Provisionen allein f├╝r gemanagte Investmentfonds kassieren. Die Milliarden kommen durch die sogenannten Ausgabeaufschl├Ąge zustanden. Je nach Fonds sind diese rund f├╝nf Prozent hoch. Macht f├╝r eine 20.000 Euro Einmalanlage in einen Aktienfonds, den der Kunde zehn Jahre halten m├Âchte und einer angenommenen Wertsteigerung von sechs Prozent im Jahr 950 Euro Vermittlungsprovision aus - und 1.400 Euro Bestandsprovision (Quelle Provisionsrechner vom VZBV). Hohe Kosten, die ein Fonds erst einmal wieder durch Kursspr├╝nge nach oben erwirtschaften muss, bevor der Kunde mit seiner Anlage eine Rendite erwirtschaftet. Aus Sicht der Sparkassen haben sie dagegen ein Anrecht auf die Milliardenprovisionen, weil sie damit ihre vermeintlich kostenlose Beratung finanzieren.

Wie k├Ânnen Kunden der Sparkasse auf die AGB-├änderung reagieren?

Im Falle der AGB-├änderung raten die Verbrauchersch├╝tzer mit einem Musterbrief zu widersprechen. Dann m├╝ssen Kunden allerdings mit der K├╝ndigung rechnen und sich ein neues Depot suchen. Unser Depot-Vergleich hilft ihnen dabei, ein kosteng├╝nstiges - und vor allem f├╝r Sie passendes - Depot zu finden. Dabei m├╝ssen Sie nicht einmal den Sparkassen komplett den R├╝cken kehren. Die Online-Sparkassentochter 1822direkt zum Beispiel hat ein lukratives Depot ohne Kontof├╝hrungsgeb├╝hr im Programm, wenn Wertpapiere im Depot liegen oder mindestens eine Order im┬áQuartal get├Ątigt wird (auch als Juniordepot). Die Comdirect kann sich ebenfalls mit ihrem Depot sehen lassen und zahlt Neukunden einen Bonus von 50 Euro, wer mindestens f├╝r 5.000 Euro Wertpapiere kauft oder diese von einem anderen Depot ├╝bertr├Ągt. Bei der DAB Bank winken sogar bis zu 3,5 Prozent Guthabenzinsen f├╝r ein Tagesgeld, wer dort ein kostenloses Depot er├Âffnet.

Rechtsschutzversicherung zahlt Anwalt

Wer sich dagegen mit den Sparkassen streiten m├Âchte, um seine Provisionen zu behalten und eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht scheut, sollte unbedingt eine Rechtsschutzversicherung besitzen. Zudem sollten Kl├Ąger beim Anbieter kl├Ąren, ob er auch f├╝r diesen Streit die Anwalts- und Gerichtskosten ├╝bernimmt.
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