Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 08.06.2015

TRICK-Fonds Alter Wein in neuen Schläuchen

BRIC, TRICK und MIST – Was verbirgt sich dahinter? Und kann man mit diesen Fondsklassen Geld verdienen?
TRICK-Fonds Alter Wein in neuen Schläuchen

MIST-Fonds legen Geld zum Beispiel in Mexiko an (Bild: Tulum - Maya-Ruine Karibikküste Mexiko)

Das jüngste, publikumswirksame Akronym aus den Marketingabteilungen der Geldindustrie heißt TRICK. Das Konzept dahinter ist relativ simpel: TRICK-Fonds investieren in die Märkte Türkei, Russland, Indien, China und Korea. Vermögensverwalter Guido vom Schemm von der GVS Financial Solutios GmbH hat diese fünf Staaten als attraktive Anlageregion ausgemacht. BRIC (Brasilien, Russland, Indien, China) und MIST (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) hält er inzwischen für überholt, TRICK gehöre die Zukunft.

Schemp sieht großes Potential in diesen Schwellenländern. Türkische Aktien seien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Zehn sehr günstig bewertet und "für Schnäppchenjäger eine lukrative Option". Russland-Aktien sind zwar deutlich teurer, doch der niedrige Ölpreis und der Börsencrash in 2014 böten gute Einstiegschancen für Anleger. In Indien gefällt dem Fondsexperten der Reform-Eifer der neuen Modi-Regierung, der die Wirtschaft wieder in Schwung bringe und China sei auf dem besten Weg von der Export- zur Konsumnation und damit zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum. Südkorea zählt ohnehin zu den attraktivsten Aktienmärkten der Welt.

Entwicklung von TRICK-Fonds ungewiss

Noch sind Trick-Fonds reine Phantasie. Ob das Anlagekonzept überhaupt erfolgreich ist, bleibt abzuwarten. Die betreffenden Aktienmärkte konnten zuletzt nicht überzeugen. Der türkische Aktienindex Stoxx Turkey verlor in den ersten vier Monaten dieses Jahres rund 2,2 an Wert, die russische Börse ging allein im Mai rund zehn Prozent in die Knie und der indische Sensex 30 ist seit Februar 2015 auf dem Rückzug. Fondssparer sollten also Vorsicht walten lassen.

BRIC-Fonds ohne Fortune

Dass nicht jede Fondsgattung mit Jubelstürmen endet, zeigt das Beispiel der BRIC-Fonds. Das Akronym wurde später um das Zielland Korea erweitert, so dass das Kürzel fortan BRICK hieß. Urheber ist der amerikanische Investmentbanker Jim O’Neill, der es 2001 in den Markt einführte. BRIC-Fonds verzeichneten anfänglich rasante Wertgewinne, brachen aber im Zuge der Finanzkrise 2008 vollständig ein. Folge: Viele der einstigen Hoffnungsträger wurden umbenannt oder mit anderen Schwellenländerfonds fusioniert und durchlebten einen Strategiewandel. Da BRIC- und BRICK-Fonds ähnliche Zielländer aufweisen wie TRICK-Fonds, ist nicht ersichtlich, warum es diesen besser ergehen sollte.

Einen Strategiewechsel gab es zum Beispiel beim DWS Invest BRIC Plus. Namen und Fondskonzept wurden erweitert, heute heißt der Fonds Deutsche Invest Global Emerging Markets Equity. Seither können die Fondsmanager auch in kleinere Schwellenländer in Asien, Ozeanien und Afrika investieren. Immerhin - der Strategiewechsel brachte Erfolg: Die Wertentwicklung des Fonds verbesserte sich von jährlichen 1,0 Prozent auf eine aktuelle Jahresrendite von über 28 Prozent. Wie unsere Fondstabelle Emerging Markets/BRIC zeigt, weisen andere frühere BRIC-Fonds nach ihrer Restrukturierung ähnliche Wertentwicklungen auf.


Wackelkandidaten Osteuropafonds

Mit vielen Vorschusslorbeeren startete auch die Fondskategorie Osteuropa. Diese Fonds investieren vorranging in die ehemaligen Ostblockstaaten, allen voran Russland, die allesamt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs großen wirtschaftlichen Nachholbedarf haben. Die Ergebnisse sind jedoch ernüchternd: Der Schroder ISF Emerging Europe A beispielsweise tritt seit Jahren so gut wie auf der Stelle. Die Fünfjahresrendite erreicht gerade mal drei Prozent, auf Jahressicht liegt der Fonds im Minus. Bei Osteuropafonds, die auf Russland verzichten, sieht es nicht viel besser aus. So verzeichnet beispielsweise der SEB Eastern Europe ex Russia Fund C eine Zehnjahresrendite von 3,9 Prozent, der Einjahresgewinn liegt bei knapp fünf Prozent. Auch wer mittels Indexfonds auf den Gesamtmarkt gesetz hat, wurde enttäuscht. Der Lyxor UCITS ETF Eastern Europe C erreicht beispielsweise auf Fünfjahressicht nur 1,7 Prozent Wertzuwachs p.a., auf Jahressicht sind es gut drei Prozent.
Geldsparen.de-Tipp: Topfonds aus dem Bereich Deutsche Aktien, etwa der DWS Aktien Strategie Deutschland, gewannen in den vergangenen fünf Jahren 20 Prozent und mehr pro Jahr!

Fazit: Nicht von TRICK-Fonds austricksen lassen

Trotz hoher Kurschancen garantieren Geldanlagen in Emerging Markets kein Abonnement auf überdurchschnittliche Kursgewinne. Im Gegenteil: Neben den für Börsenanlagen typischen Kursrisiken bestehen zusätzlich Währungsrisiken. Die Währung des jeweiligen Investitionslandes kann gegenüber dem Euro abwerten. In der Folge verlieren die in dieser Währung auflaufenden Erträge ebenfalls an Wert. Nachteilig kann sich auch die häufig mangelnde Rechtssicherheit auswirken. In weniger demokratisch ausgerichteten Ländern sind staatliche Kontrolle von Unternehmen oder Zwangsauflagen, etwa im Steuer- oder Umweltbereich, möglich, was bis zu Enteignungen der Eigentümer führen kann. Auch die im Vergleich zu westlichen Industrieländern sehr unterschiedlichen Steuer- und Bilanzierungsregeln können Probleme verursachen.

Für Sparer bedeutet das:
Nicht zocken, sondern nur einen kleinen Teil des freien Kapitals in Schwellenländer investieren. Ruhiger schlafen lässt es sich mit global- oder europäisch ausgerichteten Aktienfonds.
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Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de kümmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor tätig.

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