Von Max Geissler, 11.10.2011 (Aktualisiert 26.08.2015)

Lebensversicherung Nicht voreilig unterschreiben

Die Lebensversicherer √ľbersch√ľtten derzeit Haushalte und Privatkunden mit Werbung. Die Assekuranz bl√§st zum Schlussverkauf, doch die ins Feld gef√ľhrten Argumente √ľberzeugen kaum. Was f√ľr Verbraucher jetzt wichtig ist.
Lebensversicherung
„Wer noch im alten Jahr einen Vertrag abschlie√üt, der sichert sich Steuervorteile und h√∂here Garantiezinsen“ – lautet die bei vielen Gesellschaften zu lesende Botschaft. Ziel der Verkaufsoffensive ist es, m√∂glichst viele neue Kunden bis Jahresende von den Vorteilen der bestehenden gesetzlichen Regelungen bei zu √ľberzeugen. Denn im neuen Jahr – so die Argumentation – werden Lebens- und Rentenversicherungen deutlich schlechter.

Argumente greifen nur teilweise

Von den ins Feld gef√ľhrten Argumenten sollten sich Interessenten nicht √ľberrumpeln lassen. Richtig ist, dass der Garantiezins f√ľr neu abgeschlossene Vertr√§ge ab 1. Januar 2012 von 2,25 auf 1,75 Prozent sinkt. Im Ergebnis f√§llt die Verzinsung des angelegten Sparverm√∂gens um 0,5 Prozentpunkte geringer aus. Die Auswirkungen der Zinssenkung werden f√ľr viele Lebensversicherte allerdings kaum sp√ľrbar sein. Der Garantiezins ist n√§mlich ein Sicherheitszins, der nur in Ausnahmef√§llen greift. Die tats√§chliche Rendite klassischer Lebens- und Rentenversicherungen liegt in der Regel h√∂her als der Mindestzins, weil die j√§hrliche √úberschussbeteiligung und der Schluss√ľberschuss den Ertrag verbessern.
 
Nach Ermittlungen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) liegt die Gesamtverzinsung f√ľr Lebensversicherungen im Jahr 2011 im Branchendurchschnitt mit 4,1 Prozent noch immer √ľber der Vier-Prozent-Marke. Damit rentieren die Vertr√§ge deutlich √ľber der Inflationsrate und h√∂her als der gegenw√§rtige Marktzins. Nicht betroffen von den Neuregelungen sind fondsbasierte Lebens- und Rentenversicherungen, da f√ľr Fondspolicen keine Zins- oder Renditegarantien gegeben werden.

Zweite wichtige Neuerung ist, dass Vorsorgesparer k√ľnftig bis zum 62. Lebensjahr bei der Stange bleiben m√ľssen, um die H√§lfte des aufgelaufenen Ertrags steuerfrei ausgezahlt zu bekommen. F√ľr Vertr√§ge, die bis Ende 2011 abgeschlossen wurden bzw. werden, gilt noch die Grenze von 60 Jahren. Der Verschiebung des Steuerbonus nach hinten, ist ein tats√§chlicher Nachteil f√ľr Neuvertr√§ge. Vor dem Hintergrund der sich verl√§ngernden Lebensarbeitszeit und der sp√§teren gesetzlichen Rentenzahlung sowie angesichts der steigenden Lebenserwartung relativiert sich jedoch der verz√∂gerte Steuerbonus. Die meisten Menschen schlie√üen eine Lebensversicherung zur finanziellen Absicherung im Alter ab. Da der Gesetzgeber den „offiziellen Rentenbeginn“ ebenfalls nach hinten verschoben hat, sollten Versicherte den Start ihrer Privatrente bzw. die Auszahlung der Lebensversicherung zeitlich analog planen. Wer dies tut, kann Steuernachteile vermeiden.

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