Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 24.06.2016

Brexit Zinsen hui – Aktien pfui?

Die EU erlebt den Super-Gau: Die Briten sagen Goodbye zu Europa. √úber die Folgen herrscht Unklarheit. Was erwartet Sparer und Anleger?
Was bedeutet der Brexit f√ľr Sparer?

Bye Britain! Das Vereinigte Königreich und die EU gehen getrennte Wege.

Schwarzer Tag f√ľr Europa: Die Brexit-Entscheidung beschert Ratlosigkeit und Unsicherheit allerorten. Die Auswirkungen auf die Kapitalm√§rkte sind un√ľbersehbar. Der Dax rauschte zu Handelsbeginn rund zehn Prozent ins Minus, die Banktitel schmierten mehr als 15 Prozent ab. Die f√ľr die Eurozone richtungsweisende zehnj√§hrige Bundesanleihe fiel auf ein Rekordtief von minus 0,17 Prozent. Das britische Pfund erreichte den niedrigsten Stand seit 31 Jahren.

Sprengt der Brexit Europa?

Derzeit sieht es nicht danach aus, obwohl die weitere Entwicklung schwer absch√§tzbar ist. Zwar b√ľ√üt die EU mit dem Ausstieg Gro√übritanniens ein F√ľnftel ihrer Wirtschaftsleistung und ein Drittel ihrer Marktkapitalisierung ein, zudem verliert sie ihren drittgr√∂√üten Nettozahler, doch der Verlust erscheint verschmerzbar. Drei Gr√ľnde relativieren den Brexit:

1. Lange Verhandlungsdauer: Die Verhandlungen √ľber den britischen Austritt werden sich √ľber Jahre hinziehen und mit vielen Kompromissen enden. Die lange √úbergangsphase entsch√§rft Risikoszenarien.

2. L√∂chrige EU-Mitgliedschaft: Gro√übritannien hat innerhalb der EU schon immer Extraw√ľrste gebraten. Das Land genie√üt zahllose Sonderregelungen und ist zudem kein Mitglied im Euro.

3. Starke Kernnationen: Die EU verf√ľgt nach wie vor √ľber wirtschaftlich und politisch starke Bef√ľrworter wie Deutschland und Frankreich. Diese Staaten werden jetzt noch enger zusammenr√ľcken. Allerdings m√ľssen sie l√§ngst f√§llige Reformen wie die Entb√ľrokratisierung und mehr Politikn√§he zum Wahlvolk z√ľgig anpacken, um das europ√§ische Projekt zu retten und wieder zukunftsf√§hig zu machen.

Was bedeutet der Brexit f√ľr Aktion√§re und Fondssparer?

Der Brexit birgt hohe Sprengkraft, vor allem f√ľr die Kapitalm√§rkte. Anleihe-Experte David Zahn von der Investmentgesellschaft Franklin Templeton geht davon aus, dass „die Volatilit√§t an den Finanzm√§rkten deutlich zunehmen wird und mit ihr die Risikoaversion der Anleger.“ Weil Anleger Aktien und Unternehmensanleihen nun als „riskant“ einsch√§tzen, d√ľrften sich diese Papiere in Zukunft schw√§cher entwickeln. „Meiner Meinung nach wird es eine Flucht in Qualit√§tsanleihen geben, also in Papiere, die als weniger riskant gelten, zum Beispiel britische und deutsche Staatsanleihen“, prophezeit Zahn.

Nach Ansicht des Chefvolkswirts der ING-Diba, Carsten Brzeski, „sollten die Turbulenzen an den Kapitalm√§rkten nicht allzu lange anhalten“. Das wichtigste Gebot f√ľr Anleger sei jetzt „Ruhe zu bewahren“. Der Ausstiegs-Prozess Gro√übritanniens werde allerdings „lange Jahre der Unsicherheit und Volatilit√§t mit sich bringen“. Finanzexperte Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt Anlegern britische Aktien und „solche, die viel Im- und Exportgesch√§fte mit Gro√übritannien betreiben“, zu meiden.

„Um Risiken gering zu halten, bieten sich Fonds oder kosteng√ľnstige Indexfonds an“, so Larisch. Constanze Hintze von der Frauen-Finanzberatung Svea Kuschel bevorzugt dagegen weiterhin Aktien, vor allem „von erstklassigen dividendenstarken amerikanischen und europ√§ischen Unternehmen“. Trotz hoher Volatilit√§t seien Aktien die rentabelste Anlageklasse. Langfristig orientierte Anleger sollten √ľberlegen, die aktuellen Kursr√ľckschl√§ge f√ľr Zuk√§ufe zu nutzen“, so ihr Credo.

Wie reagieren verzinste Geldanlagen und Baukredite?

Im Gleichklang erwarten die Finanzexperten, dass die Europ√§ische Zentralbank (EZB) ihre lockere Geldpolitik weiter fortsetzen wird. Damit sollten die Zinsen vorerst im Keller bleiben. „Gro√üe Ver√§nderungen sind nicht zu erwarten, da Gro√übritannien nicht den Euro hat“, sagt Larisch. „Deutsche Sparer sind nicht direkt betroffen“, findet auch Diba-Chef Brzeski.

Es sei aber nicht auszuschlie√üen, dass „sich durch den Brexit die Unsicherheit an den M√§rkten und in der Konjunktur festsetzt und die EZB dadurch gezwungen wird, den Euro-Leitzins l√§nger als beabsichtigt niedrig zu halten“. Im Extremfall k√∂nnte der Leitzins sogar noch weiter sinken. F√ľr Zinssparer w√§re dieses Szenario ein Albtraum, denn die Zinsen und Renditen f√ľr Tagesgeld, Festgeld und Sparpl√§ne w√ľrden weiter sinken. Immobilienk√§ufer k√∂nnten hingegen jubeln, denn Baugeld w√ľrde noch billiger.
Gesamten Vergleich anzeigenFestgeld Betrag: 10.000 €, Laufzeit: 12 Monate
  Anbieter Zinssatz
Zinsertrag
 
1.
1,00%
100,00
2.
0,90%
90,00
3.
0,85%
85,00
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

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Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de k√ľmmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor t√§tig.

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