Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 11.01.2016

Pflichtteil 2016 Der Pflichtteil bei Erbschaft und Schenkung

In einem Streit zwischen Familienmitgliedern wird schnell mal mit der Enterbung gedroht. Doch so leicht geht das selbst per Testament nicht.
Erbschaft Steuer Schenken Vererben

Jedes Familienmitglied hat einen anderen Pflichtteilsanspruch. Enterben ist dabei nicht so einfach

In Deutschland können Eltern ihre Kinder nicht einfach enterben. Die nächsten Angehörigen haben zumindest Anspruch auf einen sogenannten Pflichtteil. So können Kinder, Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner sowie Eltern, falls keine Kinder vorhanden sind, durch diesen Pflichtteilsanspruch auch dann einen Teil des Nachlasses verlangen, wenn sie im Testament ausgeschlossen wurden.
 

1. Die Höhe des Pflichtteils

Der Pflichtteil betr√§gt jeweils die H√§lfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Ein konkretes Beispiel f√ľr einen Pflichtteilsanspruch: Ein gerade verstorbener Wittwer hinterl√§sst zwei Kinder. Der gesetzliche Erbteil der beiden betr√§gt jeweils 50 Prozent. Daraus erg√§be sich eine Pflichtteilh√∂he von 25 Prozent. Trotz m√∂glicher Enterbung bek√§me jedes Kind noch immer ein Viertel des Verm√∂gens. Bei einem Gesamtnachlass von 400.000 Euro betr√§gt der gesetzliche Erbteil f√ľr jedes Kind somit 200.000 Euro und der Pflichtteil demnach 100.000 Euro.

Das m√ľssen Sie unbedingt beachten: Dieser Pflichtteilsanspruch ist immer ein Geldanspruch! Das kann schnell zu Problemen f√ľhren. "Kritisch bei Pflichtteilsanspr√ľchen ist vor allem, wenn der Nachlass vorwiegend aus Sachwerten besteht", sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt f√ľr Erbrecht und Vorstand im Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten. So sehen sich h√§ufig Erben einer Immobilie oder eines Unternehmens damit konfrontiert, dieses Verm√∂gen ver√§u√üern zu m√ľssen, um Pflichtteilsanspr√ľche erf√ľllen zu k√∂nnen. "Der Erbe kann jedoch eine Stundung des Pflichtteils verlangen, wenn die sofortige Erf√ľllung des gesamten Anspruchs f√ľr ihn wegen der Art der Nachlassgegenst√§nde eine unbillige H√§rte w√§re", r√§t Klinger. Die Entscheidung √ľber Gew√§hrung und Dauer einer Stundung trifft das Nachlassgericht.
 

Erbschaftsteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen m√ľssen

2. Die Entziehung des Pflichtteils

Einen gesetzlichen Erben komplett zu enterben und seinen Pflichtteilsanspruch auszuhebeln, ist nur bei besonders schwerwiegenden Gr√ľnden m√∂glich. Das w√§re beispielsweise der Fall, wenn ein Abk√∂mmling dem Erblasser, seinem Ehe- bzw. Lebenspartner oder einem seiner anderen Kinder nach dem Leben trachtet oder gegen diese ein Verbrechen oder ein vors√§tzliches Vergehen begangen hat. Auch eine rechtskr√§ftige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bew√§hrung berechtigt zum Pflichtteilsentzug.

3. Durch Schenkung den Pflichtteil reduzieren

Durch rechtzeitig eingeleitete Strategien gibt es jedoch durchaus Optionen, einem ungeliebten Familienmitglied sp√§ter weniger zu vererben. So k√∂nnen Sie den Wert Ihres Nachlasses (und somit einen m√∂glichen Pflichtteilsanspruch) geschickt reduzieren oder Ihr Verm√∂gen gezielt verschenken. "Dabei z√§hlt jedes Jahr. Durch rechtzeitige Schenkungen l√§sst sich das Pflichtteilsrecht mindern oder sogar g√§nzlich ausschlie√üen", r√§t Agnes Fischl, Fachanw√§ltin f√ľr Erbrecht und Steuerberaterin bei der M√ľnchner Kanzlei convocat. Nach aktuellem Recht findet eine Schenkung f√ľr die Berechnung des sogenannten Pflichtteilserg√§nzungsanspruchs immer weniger Ber√ľcksichtigung, je l√§nger sie zeitlich zur√ľckliegt. Hat eine Schenkung nur ein Jahr vor dem Erbfall stattgefunden, wird sie zu 100 Prozent bei der Berechnung mit ber√ľcksichtigt. Im zweiten Jahr jedoch nur noch zu 9/10, im dritten Jahr zu 8/10 usw. Sind seit der Schenkung mehr als zehn Jahre verstrichen, bleibt sie komplett au√üen vor. Ein praktisches Beispiel: Ein Vater schenkt seiner Tochter ein Haus im Wert von 400.000 Euro, der Sohn soll leer ausgehen. Sein Pflichtteilserg√§nzungsanspruch schmilzt nun Jahr f√ľr Jahr gegen Null, je nachdem, wann der Vater stirbt.

Unbedingt zu beachten ist dabei, dass so eine Verm√∂gens√ľbertragung zivilrechtlich immer auch als "echte" Schenkung eingestuft sein muss. Sonst k√∂nnte die Regelung ins Leere laufen, da die Zehn-Jahres-Frist nicht beginnt. "Das trifft zum Beispiel zu, wenn sich der Schenker ein Nie√übrauchrecht oder ein Wohnrecht vorbeh√§lt", betont Fischl. Das gilt auch bei √úbertragungen von Verm√∂gen an Ehegatten. Die Zehn-Jahres-Frist - und damit auch die Abschmelzung des Wertes der Schenkung - beginnt hier erst mit Scheidung oder Tod.
 
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