Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 12.01.2016

Pflichtteil 2016 Wie Enterbte doch noch an Geld kommen

Wird ein gesetzlicher Erbe per Testament vom Nachlass ausgeschlossen, muss er das nicht einfach hinnehmen. Laut Gesetz hat er Anspruch auf einen Pflichtteil.
Pflichtteil 2016 Wie Enterbte doch noch an Geld kommen

Selbst wenn man jemanden enterben will, kann dieser weiterhin einen sogenannten Pflichtteilsanspruch haben

Immer wieder kommt es vor, dass ein Erblasser einen oder mehrere seiner nächsten Verwandten per Testament vom Erbe ausgeschlossen oder benachteiligt hat. Das Gesetz schreibt in so einem Fall jedoch ein Mindesterbrecht - den sogenannten Pflichtteil - vor (Paragraf 2303 BGB).

Wer hat einen Pflichtteilsanspruch?

  • Abkömmlinge, also die Kinder des Erblassers, und zwar seine ehelichen, nichtehelichen und adoptierten Kinder. Ist ein Abkömmling verstorben, rücken dessen Abkömmlinge nach usw. (also die Enkel bzw. Urenkel des Erblassers).
  • Ehegatten und eingetragene Lebenspartner (Paragraf 10 Abs. 1 LPartG)
  • Eltern (aber nur, wenn keine Abkömmlinge des Erblassers vorhanden sind).

    Alle anderen Verwandten sind nicht pflichtteilsberechtigt, dazu gehören, selbst wenn dies oft vermutet wird, ebenfalls die Geschwister des Erblassers. Auch deren Kinder (Neffen und Nichten des Erblassers) sind vom Pflichtteilsrecht nicht erfasst.

Erbschaftssteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen müssen

Wann hat man einen Pflichtteilsanspruch?

Ein Anspruch auf einen Pflichtteil bekommt erst dann eine Bedeutung, wenn ein gesetzlicher Erbe nicht oder zu gering im Testament bedacht wurde. In beiden Fällen kann der Benachteiligte von den übrigen Erben seinen (oder den fehlenden) Pflichtteil einfordern.

Doch noch eine weitere Variante ist möglich. Ein Erbe, der im Testament bedacht wurde, kann seinen Pflichtteilsanspruch auch dadurch herstellen, indem er seine Erbschaft ausschlägt. Dies hat manchmal durchaus Vorteile. Diese Möglichkeit ist jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, beispielsweise wenn mit der Erbschaft Beschränkungen oder Belastungen verbunden sind.
Ein möglicher Fall für einen Pflichtteilsanspruch: Ein alleinstehender Mann vererbt seinen beiden Kindern, einem Sohn und einer Tochter, jeweils zur Hälfte eine beachtliche Summe. Der Vater setzt jedoch für den Sohn einen Testamentsvollstrecker ein, da er nicht glaubt, dass dieser mit dem Vermögen umgehen kann. Der Filius hat nun die Wahl: Er akzeptiert das Erbe, und damit wird es also für ihn durch den Testamentsvollstrecker verwaltet. Oder er schlägt das Erbe innerhalb einer sechswöchigen Frist aus und fordert seinen Pflichtteil. Die Höhe des Pflichtteils beträgt immer die Hälfte des gesetzlichen Erbanteils. In diesem Fall bekäme der eine Sohn zwar nur ein Viertel der gesamten Hinterlassenschaft, kann dafür aber frei über dieses Geld verfügen.

Der Pflichtteilsberechtigte ist nicht Erbe

Die Rollen sind ebenfalls vom Gesetzgeber klar verteilt - der Pflichtteilsberechtigte ist nicht Erbe des Nachlasses. Er tritt daher auch nicht nicht in die Rechte und Pflichten des Erblassers ein, vielmehr ist der Pflichtteil ein reiner Zahlungsanspruch gegen den Erben oder die Erbengemeinschaft. Auch kann er seinen Anteil nur aus dem schuldenfreien Nachlass verlangen. Vom Erbvermögen sind also zuerst alle Schulden abzuziehen. Der verbliebene Rest wird dann Berechnungsgrundlage für den Pflichtteil. "Nicht vom Nachlasswert abgezogen werden mögliche Vermächtnisse, Auflagen und die Erbschaftssteuer", sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt für Erbrecht aus München und Vorstand im Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten. Ansonsten bestünde ja die Möglichkeit, wenn der Erblasser sein gesamtes Vermögen durch Vermächtnisse verteilt, dass das Pflichtteilsrecht unterlaufen würde. Ebenfalls keine Berücksichtigung findet ein möglicher Übergangsunterhalt für Familienangehörige.
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