Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 10.03.2017

Pflichtteil 2017 Wie Enterbte doch noch an Geld kommen

Wird ein gesetzlicher Erbe per Testament vom Nachlass ausgeschlossen, muss er das nicht einfach hinnehmen. Laut Gesetz hat er Anspruch auf einen Pflichtteil.
Pflichtteil 2017 Wie Enterbte doch noch an Geld kommen

Selbst wenn man jemanden enterben will, kann dieser weiterhin einen sogenannten Pflichtteilsanspruch haben.

Immer wieder kommt es vor, dass ein Erblasser einen oder mehrere seiner nächsten Verwandten per Testament vom Erbe ausschließt oder benachteiligt. Das Gesetz schreibt in so einem Fall jedoch ein Mindesterbrecht - den sogenannten Pflichtteil - vor (Paragraf 2303 BGB).

Wer hat einen Pflichtteilsanspruch?

  • Abk√∂mmlinge, also die Kinder des Erblassers, und zwar seine ehelichen, nichtehelichen und adoptierten Kinder. Ist ein Abk√∂mmling verstorben, r√ľcken dessen Abk√∂mmlinge nach usw. (also die Enkel bzw. Urenkel des Erblassers).
  • Ehegatten und eingetragene Lebenspartner (Paragraf 10 Abs. 1 LPartG)
  • Eltern (aber nur, wenn keine Abk√∂mmlinge des Erblassers vorhanden sind).

    Alle anderen Verwandten sind nicht pflichtteilsberechtigt, dazu gehören, selbst wenn dies oft vermutet wird, ebenfalls die Geschwister des Erblassers. Auch deren Kinder (Neffen und Nichten des Erblassers) sind vom Pflichtteilsrecht nicht erfasst.

Erbschaftssteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen m√ľssen

Wann besteht ein Pflichtteilsanspruch?

Ein Anspruch auf einen Pflichtteil bekommt erst dann eine Bedeutung, wenn ein gesetzlicher Erbe nicht oder zu gering im Testament bedacht wurde. In beiden F√§llen kann der Benachteiligte von den √ľbrigen Erben seinen (oder den fehlenden) Pflichtteil einfordern.

Doch noch eine weitere Variante ist m√∂glich. Ein Erbe, der im Testament bedacht wurde, kann seinen Pflichtteilsanspruch auch dadurch herstellen, indem er seine Erbschaft ausschl√§gt. Dies hat manchmal durchaus Vorteile. Diese M√∂glichkeit ist jedoch an bestimmte Voraussetzungen gekn√ľpft, beispielsweise wenn mit der Erbschaft Beschr√§nkungen oder Belastungen verbunden sind.
Ein m√∂glicher Fall f√ľr einen Pflichtteilsanspruch: Ein alleinstehender Mann vererbt seinen beiden Kindern, einem Sohn und einer Tochter, jeweils zur H√§lfte eine beachtliche Summe. Der Vater setzt jedoch f√ľr den Sohn einen Testamentsvollstrecker ein, da er nicht glaubt, dass dieser mit dem Verm√∂gen umgehen kann. Der Filius hat nun die Wahl: Er akzeptiert das Erbe, und damit wird es also f√ľr ihn durch den Testamentsvollstrecker verwaltet. Oder er schl√§gt das Erbe innerhalb einer sechsw√∂chigen Frist aus und fordert seinen Pflichtteil. Die H√∂he des Pflichtteils betr√§gt immer die H√§lfte des gesetzlichen Erbanteils. In diesem Fall bek√§me der eine Sohn zwar nur ein Viertel der gesamten Hinterlassenschaft, kann daf√ľr aber frei √ľber dieses Geld verf√ľgen.

Der Pflichtteilsberechtigte ist nicht Erbe

Die Rollen sind ebenfalls vom Gesetzgeber klar verteilt - der Pflichtteilsberechtigte ist nicht Erbe des Nachlasses. Er tritt daher auch nicht nicht in die Rechte und Pflichten des Erblassers ein, vielmehr ist der Pflichtteil ein reiner Zahlungsanspruch gegen den Erben oder die Erbengemeinschaft. Auch kann er seinen Anteil nur aus dem schuldenfreien Nachlass verlangen. Vom Erbverm√∂gen sind also zuerst alle Schulden abzuziehen. Der verbliebene Rest wird dann Berechnungsgrundlage f√ľr den Pflichtteil. "Nicht vom Nachlasswert abgezogen werden m√∂gliche Verm√§chtnisse, Auflagen und die Erbschaftssteuer", sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt f√ľr Erbrecht aus M√ľnchen und Vorstand im Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten. Ansonsten best√ľnde ja die M√∂glichkeit, wenn der Erblasser sein gesamtes Verm√∂gen durch Verm√§chtnisse verteilt, dass das Pflichtteilsrecht unterlaufen w√ľrde. Ebenfalls keine Ber√ľcksichtigung findet ein m√∂glicher √úbergangsunterhalt f√ľr Familienangeh√∂rige.

Verjährung des Pflichtteilanspruchs beachten

Das ist unbedingt zu beachten: Ein Pflichtteilsanspruch verj√§hrt in drei Jahren. Diese Frist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem der Pflichtteilsanspruch entstanden ist und der Pflichtteilsberechtigte von den seinen Anspruch begr√ľndenden Umst√§nden und von der Person des Schuldners Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrl√§ssigkeit h√§tte erlangen m√ľssen.
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