Fritz Himmel
Ein Beitrag von Fritz Himmel, 15.01.2016

Erbrecht 2016 Gesetzliche Erbfolge: Zuerst kommen die Kinder

Hat ein Verstorbener weder ein Testament noch einen Erbvertrag hinterlassen, gilt die gesetzliche Erbfolge. Das sind die möglichen Konsequenzen im Erbrecht.
Gesetzliche Erbfolge: Zuerst kommen die Kinder

Die Erbfolge ist in Deutschland gesetzlich geregelt

Die Einteilung der Erben erfolgt im deutschen Erbrecht nach Ordnungen. Hier erhalten Sie einen kurzen allgemeinen √úberblick der gesetzlichen Erbfolge:

Gesetzliche Erbfolge: Erbrecht 1. Ordnung

Die Kinder des Verstorbenen - also des Erblassers - geh√∂ren zur 1. Ordnung und erben zu gleichen Teilen. Ist eines der Kinder zur Zeit der Erbschaft bereits gestorben, so k√∂nnen wiederum dessen Kinder f√ľr diesen Erbteil die Erbschaft antreten. Adoptivkinder erhalten automatisch in der gesetzlichen Erbfolge die volle verwandtschaftliche Stellung und sind erbberechtigt.

Wichtige √Ąnderungen der gesetzlichen Erbfolge

Seit 1.4.1998 werden eheliche und nichteheliche Kinder im Erbrecht gleichgestellt. F√ľr die, vor dem 1. Juli 1949 geborenen Kinder bleibt es jedoch bei der alten Gesetzeslage, das hei√üt f√ľr diese Betroffenen in der gesetzlichen Erbfolge: Nichteheliche Kinder sind nur im Verh√§ltnis zur Mutter Erbberechtigte der 1. Ordnung.

Gesetzliche Erbfolge: Erbrecht 2. Ordnung

Hierzu zählt das Gesetz die Eltern des Erblassers und die Geschwister des Verstorbenen, sowie Nichten und Neffen.

Gesetzliche Erbfolge: Erbrecht 3. Ordnung

Hierzug gehören dann die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Tanten und Onkel sowie Vettern und Kusinen. Zur 4. Ordnung zählen die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge und zur 5. Ordnung die noch entfernteren Voreltern und deren Nachfahren.

Erbrecht: Der Staat erbt nur Guthaben, keine Schulden

Hinterlässt der Verstorbene keine der o.g. Personen, dann erbt der Staat - allerdings nie die Schulden.
Grundsätzliches im Erbrecht:
Sind Verwandte einer vorhergehenden Ordnung vorhanden, sind alle Nachfolgenden ausgeschlossen. Ebenso schließt der Sohn des Erblassers wiederum seinen eigenen Sohn (also den Enkel) in der gesetzlichen Erbfolge vorerst aus.

Erbschaftssteuer-Rechner

Ob und wie viel Erben zahlen m√ľssen

Beispiel f√ľr eine gesetzliche Erbfolge

  • Herr X. stirbt, hinterl√§sst zwei Kinder und zwei Enkelkinder von einem verstorbenen Sohn. Das Verm√∂gen betr√§gt 90.000 Euro. Die Erbverteilung laut gesetzlicher Erbfolge sieht so aus: Die zwei lebenden Kinder bekommen je ein Drittel, also jeweils 30.000 Euro und die beiden Enkelkinder erben nach ihrem verstorbenen Vater Adam je 15.000 Euro, zusammen also die restlichen 30.000 Euro.

Gesetzliche Erbfolge: Das gesetzliche Erbrecht und der Ehepartner

Der Ehepartner des Verstorbenen ist ebenso gesetzlicher Erbe neben den Verwandten. Gleiches gilt √ľbrigens f√ľr den eingetragenen Lebenspartner gem√§√ü Paragraf 10 Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG).

Die H√∂he des Erbes des Ehegatten ist unter anderem abh√§ngig von dem ehelichen G√ľterstand. Wurde nichts Gesondertes vereinbart, so kommt der gesetzliche G√ľterstand der Zugewinngemeinschaft zum Tragen (Normalfall). M√∂gliche andere Formen w√§ren noch die G√ľtertrennung und die G√ľtergemeinschaft.

Allerdings ist der √ľberlebende Ehegatte nur dann gesetzlich erbberechtigt, wenn zum Zeitpunkt des Todes auch eine g√ľltige Ehe bestand. Waren bereits zur Zeit des Todes die Voraussetzungen f√ľr eine Ehescheidung gegeben, die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt oder hatte der Erblasser auf Aufhebung der Ehe geklagt, so entf√§llt der Erbanspruch. Ein rechtskr√§ftiges Scheidungsurteil muss noch nicht ergangen sein (Paragraf 1933 BGB).

Gesetzliche Erbfolge: Erbrecht bei Trennung

Auch wenn sich die Eheleute vor mehr als 30 Jahren getrennt haben, ist der √ľberlebende Ehepartner weiterhin gesetzlicher Erbe, wenn die Ehe nicht geschieden wurde.
So hoch ist jeweils der gesetzliche Erbanteil des Ehegatten
¬†Ehegattenerbteil ¬†Zugewinngemeinschaft ¬†G√ľtertrennung ¬†G√ľtergemeinschaft
 Erben 1. Ordnung, ein Kind  1/2  1/2  1/4
 Erben 1. Ordnung, zwei Kinder  1/2  1/3  1/4
 Erben 1. Ordnung, drei Kinder  1/2  1/4  1/4
 Erben 2. Ordnung oder wenigstens Großeltern vorhanden  3/4  1/2  1/2
 weder Erben 1./ 2. Ordnung noch Großeltern vorhanden  1/1  1/1  1/1
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Der "Voraus" des Ehepartners - was ist das?

Nach Paragraf 1932 BGB kann der √ľberlebende Ehepartner als gesetzlicher Erbe (aufpassen: nicht als testamentarischer!) seinen "Voraus" verlangen. Das sind alle Gegenst√§nde, die zum ehelichen Haushalt geh√∂ren sowie die Hochzeitsgeschenke. Damit soll der Ehepartner den zuvor gemeinsamen Haushalt weiterf√ľhren k√∂nnen.

Gesetzliche Erbfolge und der Hausstand

Diesen "Voraus" erh√§lt er immer neben den miterbenden Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Gro√üeltern. Neben Verwandten der ersten Ordnung erh√§lt er diese Gegenst√§nde nur, soweit er diese zur F√ľhrung eines angemessenen Haushalts ben√∂tigt.
Geldsparen.de-Tipp: Im Einzelfall kann es durchaus sinnvoll sein, kein Testament zu verfassen, wenn Eheleute außer ihrem Hausrat kein nennenswertes Vermögen besitzen.
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Leserkommentare

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25.10.2013 11:09 Uhr
Metzger, Frank: Erbfolge
Schon gewusst? Der Ehepartner erbt neben den Kindern zum gleichen Teil!


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