Von Brigitte Watermann, 28.12.2016

Finanzplanung Steuern senken, Zulagen retten

Sie haben Ihre Geschenke schon gepackt? Dann nehmen Sie sich kurz Zeit und kümmern sich in den letzten Tagen des Jahres noch um Ihr Geld und Ihre Steuern. Acht Tipps.
Finanzplanung Steuern senken, Zulagen retten

Mühselige, aber sich lohnende Schreibarbeit: Schon zum Jahreswechsel Steuerangelegenheiten zu erledigen, zahlt sich in vielen Fällen aus.

Freistellungsaufträge richtig verteilen.

Einige Banken schreiben die Zinsen aufs Tagesgeld- oder Festgeldkonto erst am Jahresende gut. Schauen Sie daher vorher noch, ob Sie Ihr Freistellungsvolumen (maximal 801 Euro bei Ledigen und 1602 Euro bei Verheirateten) passend auf Ihre verschiedenen Banken, Fondsgesellschaften oder Bausparkassen verteilt haben. Denn bleibt der Freisteller bei einer Bank zu wenig genutzt, zahlen Sie womöglich unnötig Steuern. Die können Sie dann erst wieder über die nächste Steuererklärung zurückholen – das heißt also warten.


Arbeitnehmer-Sparzulage beantragen

Überprüfen Sie, ob Sie sich die Arbeitnehmer-Sparzulage bei Vermögenswirksamen Leistungen für die Vorjahre gesichert haben – sie lässt sich nämlich nur für vier Jahre rückwirkend beantragen. Hier läuft deshalb die Frist für das Jahr 2012 zum Jahresende ab.
Aufgepasst: Für die Anträge auf Wohnungsbauprämie beträgt die Frist nur zwei Jahre. Deshalb können Sie bis Jahresende nur noch Anträge für 2014 und danach stellen.
 

Rechtzeitig Riestern

Sie wollten ohnehin bald riestern? Warum dann nicht auf die Tube drücken und noch dieses Jahr einen Vertrag abschließen. Das kann sich lohnen. Den gesamten Steuervorteil fürs zu Ende gehende Jahr sichern Sie sich über eine Einmalzahlung bis Ende Dezember 2016. Für den maximalen Steuerspareffekt zahlen Sie als lediger Steuerzahler vier Prozent Ihres letztjährigen Bruttos abzüglich Zulagen in einen Riester-Vertrag ein, mindestens aber 60 Euro pro Jahr. Maximal fördert der Staat Einzahlungen bis 2.100 Euro. Als Lediger ohne Kinder erhält man bei Vertragsabschluss rückwirkend fürs Jahr 154 Euro Grundzulage.

Gut zu wissen: Beginnen Sie vor Ihrem 25. Lebensjahr zu riestern, spendiert Ihnen der Staat zusätzlich einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.

Besonders interessant ist Riestern für Leute mit Kindern: Pro Kind gibt es jährliche Zulagen von 185 Euro, für ab 2008 geborene Kinder sogar von 300 Euro. Der zu zahlende Eigenanteil sinkt entsprechend ab.

Tipp: Riestern ist insbesondere wegen der staatlichen Zulagen interessant, die muss man allerdings beantragen. Rückwirkend ist das noch für zwei Jahre möglich. Bis Ende 2016 können Sie also noch die Zulagenanträge für 2014 und 2015 stellen. Ratsam ist es, gleich bei Abschluss des Vertrags einen Dauerzulagenantrag zu stellen, dann verpasst man keine Fristen.
 

Freiwillig Steuererklärung abgeben

Nicht alle sind verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen: Wer zum Beispiel als Arbeitnehmer übers Jahr gesehen nur für einen Arbeitgeber tätig war und keine Nebeneinkünfte hatte oder Lohnersatzleistungen erhielt, muss eigentlich nicht mit den Formularen kämpfen. Doch in aller Regel lohnt sich das trotzdem: Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler erhalten Arbeitnehmer im Schnitt rund 900 Euro vom Fiskus zurück, etwa wenn man Sonderausgaben wie zum Beispiel die Kirchensteuer geltend macht; ein anderes Beispiel sind die Werbungskosten für Fahrten zur Arbeit. Ohne Steuererklärung finden die nämlich keine Berücksichtigung. Wichtig: Wenn Sie für 2012 noch keine Erklärung abgegeben haben, müssen Sie das bis Jahresende nachholen. Es gilt eine Vier-Jahres-Frist.


Steuerklassen überprüfen


Verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmer sollten bis zum Jahresende prüfen, ob die gewählten Lohnsteuerklassen für das kommende Jahr noch sinnvoll sind. Falls ein Partner im kommenden Jahr mit Arbeitslosigkeit rechnen muss, kann er durch eine günstigere Steuerklasse die Leistungen erhöhen. Entscheidend ist die Steuerklasse, die zum Jahresbeginn galt. Deshalb muss ein Wechsel aus diesem Grund noch vor Januar erfolgen. Auch auf die Höhe des künftigen Elterngelds hat die Steuerklasse einen Einfluss. Werdende Eltern sollten sich den Effekt am besten durchrechnen und sich hierzu beraten lassen.
 

Gut zu wissen: Die „Kombination IV/IV“ bringt dann den geringsten monatlichen Lohnsteuerabzug, wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen. Die Steuerklassen-Kombination „IV/IV plus Faktor“ ist noch vergleichsweise neu und noch nicht sehr bekannt. Sie sorgt dafür, dass der laufende Lohnsteuerabzug ziemlich genau der tatsächlichen Steuerschuld beider Partner entspricht. Größere Überraschungen – vor allem ärgerliche Nachzahlungen – können Sie so vermeiden, außerdem hat der weniger Verdienende nicht so hohe monatliche Abzüge zu verkraften wie bei der Kombination III/V.

Bei größeren Lohnunterschieden ist die „Kombination III/V“ oftmals vorteilhaft. Zu beachten ist allerdings, warnt der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL), dass sich bei dieser Steuerklassenkombination häufig Nachzahlungen ergeben.
 

Ausgaben vorziehen oder verschieben

Arbeitnehmer, die 2016 mehr verdient haben als sie 2017 voraussichtlich erhalten werden, können Steuern sparen, wenn sie Werbungskosten vorziehen, empfiehlt der NVL. So können Arbeitsmittel angeschafft oder Fortbildungskosten für nächstes Jahr angezahlt werden. Doch man muss gut kalkulieren, denn wichtig ist, dass die Werbungskosten den Arbeitnehmerpauschbetrag von jährlich 1.000 Euro übersteigen müssen, damit sich der Aufwand lohnt. Bekommen Sie das nicht zusammen, sind aber schon höhere Ausgaben für 2017 absehbar, kann es umgekehrt sinnvoll sein, Werbungskosten in das Jahr 2017 zu verlagern.
 

Handwerker zahlen

Auch an haushaltsnahen Handwerkerleistungen beteiligt sich der Fiskus – mit bis zu 1200 Euro jährlich. Bis zu einer Rechnungssumme von jährlich 6000 Euro sind jeweils 20 Prozent der Lohnkosten, nicht aber der Aufwendungen für Material, steuerlich absetzbar. Wer diesen Betrag noch nicht ausgeschöpft hat, aber dieses Jahr noch einen Handwerker beschäftigt, sieht zu, dass er die Rechnung noch dieses Jahr zahlt, um den Steuerbonus zu sichern. Eventuell bietet es sich auch an, 2016 eine Abschlagszahlung zu leisten und den Rest auf 2017 zu schieben.
 

Krankheitskosten konzentrieren

Bei Krankheitskosten oder anderen außergewöhnlichen Belastungen ist es von Vorteil, wenn ein möglichst hoher Betrag in einem Jahr erreicht wird. Denn der Fiskus schreibt eine Art Selbstbeteiligungshürde vor (Details siehe Paragraph 33 Einkommensteuergesetz). Sie richtet sich nach Familienstand, Kinderzahl und dem eigenen Einkommen. Es kann daher steuerlich sinnvoll sein, die neue Brille nicht erst im Januar, sondern jetzt noch zu erwerben, um diese Hürde zu nehmen. Zum Hintergrund: Steuerzahler dürfen Ausgaben für Medikamente, Brillen, Zahnersatz & Co. als außergewöhnliche Belastungen geltend machen, wenn die Krankenkasse nicht einspringt.
 

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