Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 17.04.2015 (Aktualisiert 28.01.2016)

Progressionsvorbehalt Wann Sie Elterngeld versteuern mĂŒssen

Erhalten Sie Elterngeld? Dann mĂŒssen Sie im nĂ€chsten Jahr unter UmstĂ€nden Steuern nachzahlen. Wir zeigen, wie gerechnet wird.
Progressionsvorbehalt Wann Sie Elterngeld versteuern mĂŒssen

Familien, die Elterngeld erhalten, kann eine saftige Steuernachzahlung ins Haus flattern

Prinzipiell sind Sozialleistungen wie Elterngeld, Krankengeld oder auch Arbeitslosengeld I zwar nicht steuerpflichtig. Heißt: Sie mĂŒssen keine Steuern abfĂŒhren, wenn Sie im vergangenen Jahr zum Beispiel nur Elterngeld erhalten haben.

Kommen jedoch weitere EinkĂŒnfte hinzu, etwa die des Ehepartners, werden aber meist nachtrĂ€glich Steuern fĂ€llig und da können gern einmal mehr als 1.000 Euro zusammen kommen. Hintergrund ist der sogenannte "Progressionsvorbehalt" (Einkommensteuergesetz Paragraf 32b). Dieser sorgt dafĂŒr, dass das zu versteuernde Einkommen – etwa der Lohn des Ehepartners – in der Steuerprogression "höher" rutscht, also stĂ€rker besteuert wird.

Wie wirkt sich der Progressionsvorbehalt aus?

Dabei wird folgendermaßen gerechnet: Das normale zu versteuernde Einkommen und das Elterngeld werden addiert. Aus der Steuertabelle wird dann der Prozentsatz entnommen, mit dem dieses Gesamteinkommen eigentlich zu versteuern wĂ€re. Mit diesem Prozentsatz wird dann das zu versteuernde Einkommen belegt.

Wie sieht der Progressionsvorbehalt in einem Beispiel aus? 

Nehmen wir eine Mutter, die im vergangenen Jahr 14.000 Euro Elterngeld und Mutterschaftsgeld bezogen hat. Bei diesen beiden Leistungen greift der Progressionsvorbehalt.

Die Höhe des zu versteuernden Einkommens des Ehepartners betrug 30.000 Euro und damit wĂ€ren 2.642 Euro Steuern (durchschnittlicher Steuersatz = 8,8 Prozent) fĂ€llig gewesen – ohne weitere EinkĂŒnfte. Mit dem Mutterschafts- und Elterngeld betrugen die EinkĂŒnfte 2015 aber insgesamt 44.000 Euro. MĂŒsste dieser Betrag voll versteuert werden, so mĂŒsste das Ehepaar dafĂŒr 6.320 Euro an Abgaben zahlen.

Dies entsprÀche einem durchschnittlichen höheren Steuersatz von 14,36 Prozent. So viel verlangt das Finanzamt zwar nicht. Aber: Mit dem höheren Satz von 14,36 (statt  8,8) Prozent wird das zu versteuernde Einkommen belastet. Das ergibt 4.309 Euro (30.000 x 14,36 Prozent).

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Wann fallen Nachzahlungen wegen des Elterngelds besonders hoch aus?

Durch das Elterngeld steigt die ursprĂŒngliche Steuerschuld des Ehepaars in diesem Fall also um 1.667 Euro. Wie viel Steuern es tatsĂ€chlich nachzahlen muss, hĂ€ngt davon ab, wie viel Lohnsteuer der erwerbstĂ€tige Ehepartner schon vorausgezahlt hat. Besonders hoch fallen die Nachzahlungen aus, wenn der verdienende Partner 2015 die (bessere) Steuerklasse III hatte und deshalb nur relativ wenig Lohnsteuer abgefĂŒhrt hat.

Unverheiratete, die in einem Jahr nur Eltern- und Mutterschaftsgeld erhalten haben, mĂŒssen keine Steuern nachzahlen. Sie brauchen auch keine SteuererklĂ€rung abzugeben. In manchen FĂ€llen können nicht verheiratete MĂŒtter, die 2015 fĂŒr einige Monate erwerbstĂ€tig waren und bereits Lohnsteuer gezahlt und den Rest des Jahres nur Elterngeld erhalten haben, sogar Steuern erstattet bekommen.
Geldsparen.de-Tipp: In der SteuererklĂ€rung mĂŒsse Sie erhaltenes Eltern-, Mutterschafts-. Kranken- oder Arbeitslosengeldes I in der Anlage N eintragen. Bei diesen Angaben lohnt schummeln aber nicht, da die FinanzĂ€mter die Daten von den SozialtrĂ€gern sowieso erhalten.
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Liebe Leserinnen und Leser,

Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist fĂŒr alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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