Von Horst Peter Wickel, 10.08.2016

Wenn Mieter umbauen möchten Besser mit Zustimmung des Vermieters

Wenn Sie Ihre Mietwohnung sanieren oder umbauen wollen, sollten Sie mit dem Vermieter sprechen. Sonst kann es beim Auszug teuer werden.
Wenn Mieter umbauen möchten Besser mit Zustimmung des Vermieters

Bevor Sie eine Mietwohnung auf den Kopf stellen, sollte der Vermieter zustimmen.

Mietern steht es frei, Ihre heimatlichen vier W√§nde so zu einrichten, wie Sie wollen. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds k√∂nnen Sie ein neues T√ľrschloss einbauen, ein Hochbett oder eine Einbauk√ľche aufstellen, Waschbecken oder Toilette austauschen oder eine zus√§tzliche Steckdose installieren. Alles, was unter den vertragsgem√§√üen Gebrauch f√§llt, darf ein Mieter ungefragt in seiner Wohnung ver√§ndern.

„R√ľckbaupflicht“ beim Auszug

Bei Beendigung des Mietverh√§ltnisses m√ľssen Sie allerdings grunds√§tzlich s√§mtliche von Ihnen eingebrachte Einrichtungen und Einbauten wieder entfernen. Nach dem Gesetz hat der Vermieter Anspruch auf die R√ľckgabe der Wohnung im urspr√ľnglichen Zustand, zumindest solange nichts Anderes vereinbart ist. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt dann, wenn die bauliche Ver√§nderung notwendig war, um einen bestehenden Mangel zu beseitigen oder vorgenommen wurde, um die R√§ume erstmalig in einen vertragsgem√§√üen Zustand zu versetzen.

Bauliche Veränderungen nur mit Zustimmung des Vermieters

Komplizierter wird es bei richtigen Umbauten: Gr√∂√üere bauliche Ver√§nderungen, verbunden mit Stemm- und Maurerarbeiten, sind ohne Einverst√§ndnis des Vermieters verboten. Dazu geh√∂ren zum Beispiel Wanddurchbr√ľche, das Einziehen neuer W√§nde oder Zwischendecken, der Einbau einer Etagenheizung, eines Bades oder neuer Fenster.
Einen Anspruch darauf, dass Ihr Vermieter diesen Pl√§nen zustimmt, haben Sie nicht. Ihr Vermieter kann sein Okay auch davon abh√§ngig machen, dass Sie sich verpflichten, die baulichen Ver√§nderungen bei Auszug wieder r√ľckg√§ngig zu machen. „Hierf√ľr kann er von dem Mieter auch eine zus√§tzliche Kaution verlangen", sagt Gerold Happ vom Eigent√ľmerverband Haus & Grund Deutschland. Diese zus√§tzliche Sicherheit, die sich an den voraussichtlichen Kosten eines R√ľckbaus orientieren sollte, muss der Mieter vollst√§ndig vor Beginn der Umbauten leisten.

Schadenersatz, wenn Sie ungefragt umgebaut haben

Wenn Sie ohne Zustimmung des Vermieters bauliche Ver√§nderungen vornehmen, verletzen Sie als Mieter schuldhaft Ihre Obhutspflicht und m√ľssen daf√ľr unter Umst√§nden sogar Schadenersatz zahlen. Der Vermieter kann dann sofort die Herstellung des urspr√ľnglichen Zustands verlangen oder sich ausdr√ľcklich vorbehalten, dies sp√§testens bei Mietvertragsende zu fordern. In besonderen Ausnahmef√§llen kann ein eigenm√§chtiger Umbau sogar ein au√üerordentliches K√ľndigungsrecht des Vermieters begr√ľnden. So sprach das Landgericht Berlin einem Vermieter ein K√ľndigungsrecht zu, weil der Mieter Katzenklappen in die Wohnungst√ľren eingebaut und diese innerhalb einer vom Vermieter gesetzten Frist nicht entfernt hatte (LG Berlin, Az.: 63 S 199/04).

Sonderfall: behindertengerechte oder barrierefreie Gestaltung

Leichter k√∂nnen Sie sich als Mieter einer Wohnung mit Ihren Umbaupl√§nen durchsetzen, wenn diese f√ľr eine behindertengerechte Nutzung notwendig sind. Wollen Sie als Mieter einen Treppenlift einbauen lassen, T√ľrdurchg√§nge verbreitern, ein behindertengerechtes Bad oder Rollstuhlrampen einbauen lassen, muss der Vermieter in der Regel zustimmen. Grundlage f√ľr dieses Umbaurecht ist ¬ß 554 des B√ľrgerlichen Gesetzbuches (BGB).
In der Regel wird der Vermieter die Kosten f√ľr die notwendigen Umbauten √ľbernehmen, denn sie tragen normalerweise zur Werterhaltung oder -steigerung bei. Als Mieter m√ľssen Sie dann allerdings mit einer Erh√∂hung der Miete rechnen.

Haben Sie als Mieter nach dem Gesetz Anspruch auf Zustimmung des Vermieters zu einem barrierefreien Umbau, k√∂nnen Sie diese gerichtlich einklagen. Wenn der Vermieter sich quer stellt, k√∂nnen Sie als Mieter die Umbauma√ünahmen eigenst√§ndig in Auftrag geben – und selbst bezahlen. Aber bei einem Auszug m√ľssen Sie damit rechnen, dass der Vermieter auf seinem Recht auf R√ľckbau besteht. Und das kann dann richtig teuer werden. Verbrauchersch√ľtzer und Wohnberater empfehlen deshalb, sich auf jeden Fall mit dem Vermieter vor Beginn der Umbauarbeiten zu einigen.

Geschmack- und wertlos: Wann der Mieter dennoch ran muss

Kein schl√ľssiger Verzicht liegt vor, wenn die Bauma√ünahme allein auf die subjektiven W√ľnsche und Vorstellungen des Mieters zugeschnitten wurde oder stark geschmacksgepr√§gt ist und sich f√ľr die Wohnung nicht objektiv werterh√∂hend auswirkt.
Weiterhin kann ein schl√ľssiger Verzicht nicht aus der blo√üen Tatsache hergeleitet werden, dass Sie nicht gleich, nachdem Sie die Ver√§nderungen des Mietobjekts bemerkt haben, widersprochen haben.


 

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