Max Geißler
Ein Beitrag von Max Geißler, 10.02.2017

Wohnbauförderung Familien sollen sich leichter Wohneigentum leisten können

Die Bundesregierung will den Erwerb von Wohneigentum fördern. Das anvisierte Baukindergeld sehen Experten aber kritisch. Was sind die Alternativen – auch jetzt schon?
Wohnbauförderung Familien sollen sich leichter Wohneigentum leisten können

Ein Eigenheim ganz nach den eigenen Wünschen zu gestalten - das wünschen sich viele Familien. Förderprogramme sollen den Kauf von Wohneigentum erleichtern.

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist sehr gering. In den meisten Nachbarländern wohnen weit mehr Menschen in den eigenen vier Wänden. Um das zu ändern, zahlte die Bundesregierung früher die sogenannte Eigenheimzulage – gebracht hat sie allerdings wenig. Inzwischen sind Immobilien derart teuer, dass sich insbesondere in den Großstädten Familien nur noch mit Mühe ein Haus oder eine Eigentumswohnung leisten können. Dabei wäre mehr Wohneigentum wünschenswert. Schließlich führt selbstgenutztes Wohneigentum zu höheren Sparquoten, zu verbesserter Altersvorsorge und zu mehr Wohnsicherheit.

Für Reiner Braun vom Berliner Forschungsinstitut empirica sollte eine höhere Eigentumsquote aber kein Selbstzweck sein. „Wichtiger wäre zunächst eine fiskalische Gleichbehandlung: Weder sollte der Bau von Mietwohnungen stärker gefördert noch der Erwerb von Eigentum behindert werden“, fordert Braun. Doch von diesem Grundsatz seien wir in Deutschland weit entfernt. „Man denke nur an Umwandlungsverbote in Eigentumswohnungen oder an den steuerlichen Sofortabzug von Erhaltungsaufwand für Vermieter“, so der Wohnexperte.

Das geplante Baukindergeld führt zu Mitnahmeeffekten

Der Erwerb von Wohneigentum geht häufig Hand in Hand mit der Familiengründung. Aber junge Familien sind oft nicht sehr kapitalstark. Insofern ist es zwar verständlich, dass die Bundesregierung, die Eigentumsförderung an die Zahl der Kinder knüpfen möchte. Doch die Förderung nach der schieren Kinderzahl (auch in Verbindung mit Einkommensgrenzen) führt lediglich zu Mitnahmeeffekten. „Denn nicht jede Familie hat wenig Eigenkapital – man denke nur an die zunehmende Zahl der Erben“, moniert Braun. Zudem haben es auch kinderlose Paare oder Singles derzeit schwer am Wohnungsmarkt. Warum sollte denen nicht geholfen werden? Würde man die Förderung – wie geplant – auf die teuren Großstädte konzentrieren, käme es darüber hinaus zu Fehlallokationen. Besser wäre es, alle Zuzugsanreize in die übervollen Städte abzuschaffen und die Ursachen der Landflucht zu bekämpfen. Brauns Vorschlag: Eine Bleibeprämie für Bestandserwerber in ländlichen Regionen.

Zuschüsse statt Steuervorteile

Baulandpreise, Einkommen und Eigenkapital sind regional sehr unterschiedlich. In München kostet eine neue Eigentumswohnung 7.000 Euro pro Quadratmeter – dafür bekommt man in Kaiserslautern oder Bielefeld das Dreifache. Deswegen müsste eine effiziente Förderung regional differenzieren, so Braun. Steuervorteile seien dazu aber der falsche Weg. „Nur Zuschüsse gewähren eine progressionsunabhängige Förderung von einkommens- und eigenkapitalbedingten Schwellenhaushalten“, erklärt der Empirica-Chef.

Welche Maßnahmen steigern die Wohneigentumsquote effektiv?

Bis 1996 lag der Steuersatz für die Grunderwerbsteuer in Deutschland bei zwei Prozent. In den Niederlanden ist das heute noch so. Die Senkung der Grunderwerbsteuer wäre ein effektiver Weg zu mehr Wohneigentum. „Solange die Steuersätze in Deutschland bis zu 6,5 Prozent betragen, ist es schlicht grotesk, über ein vergleichsweise geringes Baukindergeld von der linken in die rechte Tasche umzuverteilen“, kritisiert der Bauexperte. Vielmehr müsste schnell neues Bauland bereitgestellt, zügig Baugenehmigungen erteilt und Bürgerproteste durch obligatorische und frühzeitige Einbeziehung minimiert werden.

Kirchen und Kommunen unterstützen Familien

Auch wenn der Staat noch diskutiert, von Kommunen und Kirchen erhalten Familien mit Eigenheimwunsch schon jetzt Unterstützung. Baugeld vom Bürgermeister gibt es vor allem in Form von Zuschüssen und preiswerten Darlehen. So spendiert die Stadt Düsseldorf Eigenheimbauern bzw. -käufern für Neubau oder Ersterwerb einer Immobilie 35.000 Euro + 10.000 Euro pro Kind. Kauft die Familie eine Bestandsimmobilie gibt es 70 Prozent davon. Die Gemeinde Bergheim bezuschusst bauwillige Eltern mit 3.000 Euro je Kind beim Erwerb eines Grundstücks. Nähere Informationen zu kommunalen Förderprogrammen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Internetseite der Aktion pro Eigenheim.

Mein Tipp: Unterstützung in Form von zinsgünstigen Darlehen erhalten Familien auch im Rahmen des Wohneigentumsprogramms (Nr. 124) der staatlichen KfW-Förderbank.

Die Aktion pro Eigenheim hält auch eine Datenbank bereit, in der kirchliche Aktivitäten zur Förderung von Familien gelistet sind. Insgesamt unterstützen 16 katholische Bistümer sowie 14 evangelische Landeskirchen bauwillige Familien bei der Vermögensbildung in Form von Wohneigentum. Angeboten werden interessante Baugrundstücke im Erbbaurecht, mit denen Bauherren im Vergleich zum Kauf eines Grundstücks deutlich sparen können, in Einzelfällen auch Darlehen. So ermöglicht zum Beispiel das Erzbistum Freiburg sieben Jahre lang eine Erbbauzinsermäßigung für junge Familien.

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Max Geißler mein Name ist Max Geißler. Auf geldsparen.de kümmere ich mich vor allem um die Themen Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien. Ich habe Politikwissenschaften studiert und bin als Journalist und Buchautor tätig.

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