Von Eva Maria Buscher, 20.06.2017

Mobilität Carsharing wird immer attraktiver

Ein eigenes Auto? Das muss nicht sein. Mit Carsharing lässt sich viel Geld sparen. Ein neues Gesetz soll die geteilten Autos noch attraktiver machen.
Mobilität Carsharing wird immer attraktiver

Carsharing-Kunden können ganz einfach per Smartphone orten, wo gerade ein freies Fahrzeug steht.

Über 150 Carsharing-Anbieter gibt es mittlerweile. Die Zahl ihrer Kunden liegt laut Bundesverband Carsharing inzwischen bei über 1,7 Millionen – eine Verdoppelung innerhalb von zwei Jahren. Große Anbieter wie car2go, Drive Now oder Flinkster sind vor allem in Städten aktiv. Ein großes Problem ist dort aber der fehlende Parkraum. Schließlich sind die Unternehmen auf Stellplätze in zentraler Lage angewiesen.

Kunden müssen das Auto längst nicht mehr zwangsläufig an einem bestimmten Standort abholen und auch dorthin zurückbringen. Der Trend geht vielmehr zum "Free Floating", wie es im Jargon der Carsharing-Unternehmen heißt. Dabei orten die Kunden per Smartphone, an welcher Stelle gerade ein Auto ihres Anbieters steht. Jeder Fahrer hat die Wahl, wo im Nutzungsgebiet er den Wagen am Ende seiner Fahrt parken will. Auf dem Land übrigens ist diese Variante noch seltener als das stationsbasierte Carsharing: Die Anbieter sind nur in einigen Regionen, vor allem Ballungszentren und touristischen Gegenden, zu finden.

Vorteile für Carsharing-Kunden

Neue Regeln sollen das ändern. Der Bundesrat hat Mitte Mai einen Gesetzesbeschluss des Bundestages gebilligt, der Vorteile für Carsharing vorsieht. Ziel ist es vor allem, in den Städten und Gemeinden mehr und kostenfreie Parkplätze für die Fahrzeuge zu schaffen. Das Gesetz tritt voraussichtlich am 1. September 2017 in Kraft.

Kommunen können für die Carsharing-Autos in Zukunft separate Parkplätze ausweisen, die zudem gebührenfrei sind. Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb dürfen dabei bevorzugt werden. Das Gesetz erlaubt Carsharing-Anbietern außerdem, die Standorte für ihre Fahrzeuge in den "öffentlichen Verkehrsraum" zu verlegen. Das heißt, die Autos können zum Beispiel an Ortsdurchfahrten von Bundesstraßen abgeholt oder zurückgegeben werden.

Für wen lohnt sich Carsharing?

Wer nur ab und zu ein Auto braucht, zum Beispiel für Einkäufe oder Ausflüge, für den kann sich Carsharing lohnen. Anders sieht es in der Regel für Berufspendler aus. Zwar sind die Kilometerpauschalen der Anbieter niedrig, und Benzin in der Regel im Preis mitinbegriffen. Die Kosten für das gemietete Auto hängen aber wesentlich von der Nutzungsdauer ab. Pro Stunde werden je nach Anbieter und Auto zwischen fünf und 20 Euro oder mehr fällig. Steht der Wagen stundenlang auf dem Parkplatz des Arbeitgebers, kann das teuer werden.
Gesamten Vergleich anzeigenAutokredit Kredit: 20.000 €, Laufzeit: 48 Monate
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Datenstand: 23.08.2017
Sämtliche Angaben ohne Gewähr
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Versicherungsschutz

Die Fahrzeuge sind in aller Regel über den Vermieter vollkaskoversichert. Allerdings ist die Selbstbeteiligung oft hoch. "350 bis 500 Euro sind üblich", Constantin Papaspyratos, Leiter der Rechtsberatung beim Bund der Versicherten. "Es gibt aber auch Carsharing-Anbieter, in deren Verträgen 1500 Euro vorgesehen sind." Ein Unfall kann also teuer werden.

Einige Carsharing-Unternehmen bieten jedoch an, die Selbstbeteiligung gegen eine jährliche Gebühr zu senken. Wer zum Beispiel bei Flinkster 90 Euro jährlich zahlt, für den liegt die Selbstbeteiligung bei 300 statt 1500 Euro.

Carsharing und Schadenfreiheitsrabatt

Carsharing-Kunden, die ihr eigenes Auto abschaffen wollen, müssen noch etwas beachten: "Wer sein Auto verkauft und die Kfz-Versicherung kündigt, verliert nach einer Frist von meist sieben Jahren seinen bisherigen Schadenfreiheitsrabatt", sagt Constantin Papaspyratos. Ein Blick in den Versicherungsvertrag bzw. die Allgemeinen Bedingungen zeigt, wie lang die Frist im Einzelfall ist.

Die durchs Carsharing gewonnene Fahrpraxis zählt normalerweise auch nicht mit, wenn es um den Aufbau eines Schadenfreiheitsrabattes geht. Das heißt: Carsharing-Kunden, die jahrelang unfallfrei gefahren sind, werden genauso behandelt wie 18-Jährige, die gerade die Fahrprüfung hinter sich haben. Helfen kann in solchen Fällen ein Schreiben des Anbieters. Laut Bundesverband Carsharing bestätigen die Unternehmen auf Nachfrage, über welchen Zeitraum der Fahrer regelmäßig und unfallfrei gefahren ist. Die Kfz-Versicherer können das berücksichtigen – müssen es aber nicht.

Tipp: Bevor sie losfahren sollten sich Carsharing-Kunden das Fahrzeug genau ansehen. "Vorschäden, auch Kratzer im Lack, sollten dem Anbieter vor Fahrtbeginn gemeldet werden", sagt Papaspyratos. So lässt sich späterer Streit um die Kosten vermeiden.
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