Rolf Winkel
Ein Beitrag von Rolf Winkel, 02.07.2010 (Aktualisiert 04.03.2016)

Arbeitslosengeld 2 ALG II für Arbeitnehmer und Selbstständige

Arbeitslosengeld 2 wird nicht nur Arbeitslosen gezahlt. Sie sind Arbeitnehmer oder Selbstständiger mit niedrigem Einkommen? Wann auch Sie ALG II bekommen:
Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld 2, Arbeitnehmer

Arbeitslosengeld unterstützt auch Arbeitnehmer und Selbstständige, wenn das Einkommen nicht reicht

Burkhard M. ist alleinstehend. Er verdient monatlich brutto 1.100 Euro. Davon bleiben ihm nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen 855 Euro zum Leben. Ein Teil der Erwerbseinkünfte gilt bei der Grundsicherung nicht als anrechenbar, da es eine Art Freibetrag für Erwerbstätige gibt. Wie hoch dieser ist, hängt von der Höhe des Bruttoeinkommens ab. Bei 1.100 Euro brutto zählen 290 Euro als nicht anrechenbar. Dieser Betrag wird von den Nettoeinkünften abgezogen. Damit werden nur (855 minus 290 =) 565 Euro als Einkommen bei der Berechnung von Arbeitslosengeld berücksichtigt. 

Wie Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld berechnet wird

Diesem Betrag wird nun der "Bedarf" von Burkhard M. gegenübergestellt für die Berechnung vom Arbeitslosengeld. Das Arbeitslosengeld errechnet sich aus dem Regelsatz (404 Euro und der Warmmiete (im Beispiel: 360 Euro). Insgesamt ergibt sich damit ein Bedarf an Arbeitslosengeld in Höhe von 764 Euro. Wenn der Betroffene Arbeitslosengeld 2 beantragt und ansonsten die Anspruchsvoraussetzungen auf diese Arbeitslosengeld-Leistung erfüllt, erhält er zusätzlich zu seinem Lohn vom Jobcenter monatlich 199 Euro. Damit ist sein "Bedarf" gedeckt, denn mit Lohn und Arbeitslosengeld 2 kommt er insgesamt auf (565 plus 199 Euro =) 764 Euro. So hoch ist jedenfalls sein rechnerischer Bedarf an Arbeitslosengeld.
 
Mein Tipp: Versuchen Sie zusätzlich Ihre Ausgaben so gering wie möglich zu halten. Sie zahlen noch Kontoführungsgebühr? Es gibt etliche Banken, die keine Kontoführunsgebühr verlangen. Auch sollten Sie eine Bank suchen, die nur geringe Dispositionskredit-Zinsen verlangt, um nicht in eine Zinsfalle zu tappen. Viele Deutsche kennen die Höhe Ihrer Dispozinsen im Übrigen überhaupt nicht.

Wie sich Arbeitslosengeld 2 berechnet


Bei der Berechnung von Arbeitslosengeld 2 werden Einkünfte und Leistungsansprüche gegenübergestellt. Wie hoch das Arbeitslosengeld ist, hängt vor allem von der Miethöhe sowie der Zahl und dem Alter der Familienmitglieder ab. Diese Regeln für den Anspruch an Arbeitslosgengeld 2 gelten:
  • Kindern unter sechs Jahren wird ein Regelsatz von 237 Euro pro Monat zugestanden,
  • für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren gibt es 270 Euro,
  • für Kinder ab 14 Jahren sind es 306 Euro,
  • für Ehepartner jeweils 364 Euro,
  • Alleinstehende können monatlich – neben der Miete – 404 Euro beanspruchen
  • Wohnkosten werden generell in "angemessener" Höhe übernommen, in den ersten sechs Monaten des Leistungsbezugs immer in voller Höhe. Dies gilt selbst dann, wenn die – je nach Ort unterschiedliche – Grenze der "Angemessenheit" überschritten ist.

Wie Ihre Einkünfte bei Arbeitslosengeld 2 berechnet werden

Während Einkünfte von Arbeitslosengeld 2 -Beziehern bzw. Antragstellern weitgehend mit dem Arbeitslosengeld 2 -Anspruch verrechnet werden, ist das bei Einkommen aus Erwerbstätigkeit anders. Hiervon bleibt für Hilfebezieher noch etwas mehr übrig. So werden bei Erwerbseinkünften ab monatlich 1.500 Euro brutto bei der Anrechnung 310 Euro nicht berücksichtigt (bei Kinderlosen sind es maximal 280 Euro). Die Freibeträge sollen – so der Gesetzgeber – "Arbeitsanreize" schaffen.

Die Alternative zum Arbeitslosengeld 2 für Familie mit Kindern

Für viele Arbeitnehmer mit kinderreichen Familien reicht der Lohn kaum für den Lebensunterhalt aus. In solchen Fällen kommt zwar auch eine Aufstockung des Lohns Arbeitslosengeld 2 infrage. Häufig haben sie statt Arbeitslosengeld 2 aber Anspruch auf den Kinderzuschlag nach dem Bundeskindergeldgesetz. Welche der beiden Leistungen infrage kommt, können häufig nur Mathematiker entscheiden. Gerade Arbeitnehmer mit mehreren Kindern sollten deshalb am besten zwei Anträge stellen - einen Antrag auf Arbeitslosengeld 2 beim zuständigen Träger vor Ort und einen Antrag auf Kinderzuschlag bei der Familienkasse der Arbeitsagentur. Dabei sollten sie jeweils darauf hinweisen, dass sie auch die andere Leistung beantragt haben. Achtung: Wird Ihr Antrag auf Arbeitslosengeld 2 unter Verweis auf Ihren Anspruch auf den Kinderzuschlag abgelehnt, so geht Ihnen nichts verloren: Den Kinderzuschlag erhalten Sie später rückwirkend ab dem Zeitpunkt, an dem Sie Arbeitslosengeld 2 beantragt haben.

Mein Tipp: Wussten Sie, dass Sie für einen Riester-Vertrag Kinderzlagen beantragen können? Das kann sich durchaus lohnen.
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Datenstand: 08.12.2016
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Rolf Winkel mein Name ist Rolf Winkel. Ich bin Ihr Spezialist für alles, was mit Sozialversicherungen, insbesondere mit der Rente zu tun hat. Ich bin gelernter Sozialwissenschaftler und schreibe seit mehr als 30 Jahren Sozialratgeber.

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» Autoren von geldsparen.de

Leserkommentare

 

22.02.2016 23:22 Uhr
Erwin: Seit wann
gibt es bei der Arge, Jobcenter oder weiß der Teufel wie die sich noch alles nennen "kompetente" Mitarbeiter? Mir neu

19.01.2011 10:25 Uhr
Redaktion Geldsparen.de: Zu "Falsch beraten"
Hallo "Klugscheißer", Ihre Anmerkung ist tatsächlich klug, denn in manchen Fällen können Arbeitnehmer mit Kindern statt des aufstockenden ALG II auch den Kinderzuschlag beantragen. Im Beispielfall ist dies allerdings nicht möglich, da das Einkommen des Vaters nach den Kinderzuschlag-Regeln zu hoch ist. In manchen Fällen bietet es sich aber gar nicht an, den KiZ zu beantragen, auch wenn er ein paar Euro höher sein sollte, Denn Kiz-Bezieher haben gegenüber ALG-II-Beziehern einige Nachteile: So werden sie nicht von Rundfunk- und Fernsehgebühren befreit, müssen zum Zahnersatz erheblich mehr zuzahlen und haben in vielen Kommunen auch keinen Anspruch auf kommunale Vergünstigungen. Im Zweifelsfall kann man sicherheitshalber sowohl ALG II als auch den Kinderzuschlag und zugleich Wohngeld beantragen (und natürlich jeweils die Ämter informieren, dass man die anderen Leistungen beantragt hat), schönen Gruß Redaktion Geldsparen.de

17.01.2011 22:06 Uhr
Klugscheißer: Falsch beraten!!!
Und wenn Burkhard M. dann beim Jobcenter vorspricht, wird ihm ein kompetenter Mitarbeiter sagen, dass er besser bei der Familienkasse Kinderzuschlag (max. 140,- pro Kind) und zusätzlich Wohngeld beantragt (im o.g. Fall ca. 300,-). Dann hat er nämlich nicht nur 546,- sondern ca 720,- zusätzlich zum Einkommen. Aber auf diese zweite und meistens viel bessere Alternative wird hier natürlich nicht aufgrund mangelnder Sachkenntnis nicht hingewiesen.


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