Von Horst Peter Wickel, 17.10.2016

Clinton gegen Trump Was die US-Wahlen f√ľr Ihre Geldanlage bedeuten

Clinton oder Trump? Noch sind die Pr√§sidentschaftswahlen in den USA nicht entschieden. Wenn Sie Ihr Geld in den USA investiert haben, m√ľssen Sie sich keine Sorgen um Ihre Geldanlage machen.
Clinton gegen Trump Was die US-Wahlen f√ľr Ihre Geldanlage bedeuten

Auch in Sachen Geldanlage gehen die Millionäre Hillary Clinton und Donald Trump unterschiedliche Wege

Auch wenn sich Hillary Clinton und Donald Trump wenige Wochen vor der Wahl heftige Rede-Duelle und Schlammschlachten liefern – √ľber ihre eigenen Finanzen m√ľssen sich die Million√§re wohl keine Gedanken machen. Allerdings gehen sie bei der Geldanlage sehr unterschiedliche Wege: W√§hrend Clinton, unter deren Wahlkampfspendern einige einflussreiche Investmentbanker zu finden sind, sich vor allem auf Indexfonds verl√§sst, die im Durchschnitt eine j√§hrliche Rendite von rund acht Prozent abwerfen, setzt Trump eher auf aktiv gemanagte Hedgefonds, die in den letzten zehn Jahren nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg rund elf Prozent Ertrag pro Jahr brachten.

Deutsche Geldanleger k√∂nnten wohl mit beiden Kandidaten gut leben. Zumindest in diesem Jahr m√ľssen Sie sich keine Gedanken √ľber Ihre US-Investments machen. Nimmt man alle Jahre seit 1928, in denen Pr√§sidenten gew√§hlt wurden, lagen die US-Aktienm√§rkte (gemessen am Aktienindex S&P 500) in 18 von 22 Wahljahren im positiven Bereich. R√ľckschl√§ge gab es nur, als die Internet-Blase im Jahre 2000 platzte und die Finanzmarktkrise 2008 die internationale Finanzwelt ersch√ľtterte.

Und noch immer sorgen die niedrigen Zinsen daf√ľr, dass immer mehr Geld in Aktien und Aktienfonds gesteckt wird und die Kurse weiter steigen l√§sst. Allein in den vergangenen f√ľnf Jahren hat der US-Markt jedes Jahr um 14,3 Prozent zugelegt, in Dollar gerechnet. Aus Sicht deutscher Anleger ist es wegen der W√§hrungsgewinne des Dollar gegen√ľber dem Euro noch besser gelaufen: plus 19,7 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Der deutsche Markt kam im selben Zeitraum auf elf Prozent pro Jahr, Europa insgesamt auf 10,4 Prozent.

US-Wirtschaftssystem bleibt unverändert

Politische Ereignisse wie die US-Wahlen sorgen in der Regel - auch an den B√∂rsen – zwar f√ľr gro√üe Aufregung, spielen langfristig jedoch fast keine Rolle. Grundlegende Ver√§nderungen des Wirtschaftssystems sind unter Clinton und Trump nicht zu erwarten. Angel Agudo, Fondsmanager des Fidelity America Fund, sagt: „Angefacht von der politischen Ungewissheit vor den US-Pr√§sidentschaftswahlen k√∂nnten die Marktschwankungen zunehmen. Aber ganz gleich, wer die Wahl gewinnt: Mit einem grundlegenden Politikwechsel rechne ich nicht.“

Wie gro√ü der Einfluss von Clinton oder Trump sein werden, h√§ngt ohnehin davon ab, wer k√ľnftig in dem aus Repr√§sentantenhaus und Senat bestehenden Kongress das Sagen hat. Mit einer demokratischen Pr√§sidentin Clinton und einem von den Republikanern gef√ľhrten Kongress bliebe wohl alles beim Alten, denn der Kongress w√ľrde wohl wichtige Reformen der Demokraten blockieren. Bei der Republikanischen Partei gibt es ohnehin tiefe Gr√§ben in politischen und wirtschaftlichen Fragen.

Clinton und Trump wollen US-Wirtschaft beleben

Die US-Wirtschaft wollen Clinton wie Trump beleben. Der massive Investitionsstau in der amerikanischen Infrastruktur gilt, unabh√§ngig von der Wahlentscheidung, als Segen f√ľr die US-Bauwirtschaft. Zwar sind Pharmaunternehmen im Wahlkampf ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, aber das Risiko von Preisobergrenzen f√ľr Medikamente ist in den B√∂rsenkursen schon weitgehend „eingepreist“. Da beide Pr√§sidentschaftskandidaten Protektionismus zu einem wichtigen Thema gemacht haben, sind die st√§rksten wirtschaftlichen Auswirkungen und Risiken f√ľr die Schwellenl√§nder wie Mexiko, aber auch s√ľdostasiatische L√§nder wie Vietnam oder Malaysia zu erwarten.

Weil Trump angeblich unfaire Handelsabkommen und internationale Vertr√§ge neu verhandeln will, sind zumindest vor√ľbergehend deutliche Kursr√ľckg√§nge zu erwarten. Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, sagt: „Die Aussicht, dass jemand ins Wei√üe Haus einzieht, der wahrscheinlich gegen den freien Handel vorgehen will, sollte viele Investoren verunsichern. Ausgehend von der Wall Street d√ľrfte es bei einem Wahlerfolg von Donald Trump zumindest vor√ľbergehend zu deutlichen Kursr√ľckg√§ngen kommen.“ Aber zahlreiche Marktbeobachter bezweifeln, dass Trump seine Ank√ľndigungen jemals umsetzen will und kann.

Hohe Aktienkurse

Deutsche Geldanleger und Sparer, die aktuell noch √ľberlegen, in den US-Aktienmarkt einzusteigen oder ihre Wertpapierbest√§nde aufzustocken, tun sich zur Zeit schwer. Zwar zeigen die meisten Analysten noch vorsichtigen Optimismus f√ľr US-Aktien, aber es gibt nach der jahrelangen Kursrallye auch schon erste deutliche Warnrufe. So sind die Bewertungen der US-Aktien bereits sehr hoch. Im Durchschnitt sind die Firmen des S&P 500 derzeit das 25-Fache ihres Gewinns wert, nur selten lag diese Zahl h√∂her. Zu rechtfertigen w√§ren diese hohen Bewertungen nur, wenn die Aussicht auf stark steigende Gewinne best√ľnde. Aber in der laufenden Berichtssaison rechnen die Analysten mit weiter zur√ľckgehenden Unternehmensgewinnen. Auch der schon lange angek√ľndigte Schritt der amerikanischen Notenbank zu h√∂heren Zinsen k√∂nnte Aktion√§ren einen Strich durch die Rechnung machen.

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